Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
Moog, Oberheim, ARP, Korg & MFB

Die besten Retro-Synthesizer im Vergleich

Es sind die ganz großen Namen der 70er: Ob Minimoog, ARP Odyssey, Oberheim SEM oder Korg MS-20, elektronische Musik hätte bis heute sicher anders geklungen, wären diese legendären Synthesizer nicht damals von unzähligen Musikern eingesetzt worden. Einige von ihnen sind mittlerweile unbezahlbare Raritäten − erfreulich, dass man sie sich heute als Neuauflage wieder leisten kann.

Moog SUB 37
Kompaktes Format, sehr schick und bestens ausgerüstet: Der neue SUB 37 ist nur äußerlich ein “Kleiner”. Die Ausstattung ist vielfach dem Moog-Flaggschiff Voyager ebenbürtig. Die schicke Tribute Edition (Echtholzseitenteile, Alu-Rückseite) wird von Moog als limitiertes Sondermodell gehandelt.

Moderne Fertigungsmethoden machen es möglich, dass man für einen neuen Korg MS-20 mini kein Vermögen ausgeben muss. Okay − es ist nicht ganz das Original. Das Gehäuse ist um ca. 15% kleiner, und die Mini-Tastatur ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber: Man kann damit durchaus leben, und zum Soundschrauben und Stöpseln reicht’s allemal aus.

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Ansonsten muss man auf nichts verzichten, im Gegenteil: Man bekommt die Segnungen der Neuzeit − USB und MIDI − gleich mitgeliefert. Ein Erfolgsrezept, das Korg jüngst auch dem ARP Odyssey hat angedeihen lassen. Ergebnis: Auch bei dem Teil geht die Gemeinde der Synthesizer-Liebhaber steil, beim letzten Besuch im Kölner Music Store konnte man beobachten, dass der Odyssey das belagerte Gerät überhaupt zu sein schien.

Schmutzige analoge Welt!

Verstimmte Oszis, übersteuerte Mixer-Sektionen, absaufende Poly-Stimmen, Wackelkontakte und Netzbrummen − in einer Zeit, als man sich davon gedanklich schon fast verabschiedet hatte, fanden viele das Erscheinen des Minimoog Voyager einfach nur absurd. Software-Emulation eroberten gerade die DAW und verzückten die Fachwelt mit immer präziseren Emulationen analoger Ungenauigkeiten. Ein kontrollierbares Maß an »analogem Dreck« sollte doch ausreichen, und überhaupt: komplette Parameter-Automationen, Total-Recall und mit jedem Update noch bessere Saturationseigenschaften − das geht eben nur mit Software.

Und doch fehlt einem was!

Und genau das zeigte sich, sobald man nur ein paar Sounds des Voyager ausprobiert hatte: Wie kann es sein, dass eine einzige monofone Stimme mit nur drei Oszillatoren den Mix aus 120 Instanzen Software-Minimoog so mir nichts, dir nichts wegbügelt? Analog-Connaisseure haben natürlich immer kommen sehen, dass dies für viele Synthesisten digitaler Zeitrechnung zum ernüchternden Reality-Check werden würde.

Wir wollen wieder analog!

Trotzdem sollte es noch einige Jahre dauern, bis die ganze Sache ins Rollen kam. Der Korg MS-20 mini war die Überraschung schlechthin, aktuell gefolgt vom ARP Odyssey. Aber auch die Synthesizer-Pioniere von damals − so etwa Dave Smith und Tom Oberheim − lassen ihre genialen Synthesizer wieder auferstehen. Warum sind solche Synthesizer-Klassiker so beliebt? Was macht sie so besonders, dass man mitunter sogar sehr viel Geld dafür bezahlen will? Ganz einfach: Analog ist wild, hat Charme und Charakter. Vor allem haben die Originale ihren ganz speziellen SignatureSound − ein Moog klingt anders als ein Odyssey, anders als ein Oberheim. Außerdem haben wir es mit abgeschlossenen Systemen zu tun, die als Kompakt-Synthesizer konzipiert sind. Auf kleinstem Raum findet man alles, um Sounds zu schrauben und zu spielen: Ein gut strukturiertes Bedienfeld und eine Tastatur. Schauen wir uns also die Klassiker des Genres an, um herauszufinden, welcher Synth für wen der richtige ist.

Moog Sub 37

Der SUB 37 ist der Leitwolf unseres Synth-Rudels. Nachdem einige der Phatty-Modelle kontrovers diskutiert wurden (u. a. wegen spartanischer Bedienelemente, Einstreuung des LFOs in die Klangerzeugung etc.), hat Moog mit dem SUB 37 alles richtig gemacht. Das Instrument fühlt sich superedel an, klingt hervorragend und kann sehr viel − ein richtiger Moog! Er bietet zwei Oszillatoren plus Sub-Oszillator, einen flexiblen Arpeggiator und Sequenzer (mit Glide etc.), Duofonie, wählbare Filtergüte, diverse TriggerModes und vieles mehr. Die Tastatur ist mit drei Oktaven sehr gut dimensioniert, die Bedienung ist purer Maschinensex. Das Geld kann hier wirklich gut angelegt werden, und man wird vermutlich einen Lebenspartner erwerben.

>> Einen Testbericht zum neuen Moog Sub 37 findest du hier <<

Klangeigenschaften: klassischer, wunderbarer Moog-Sound, dank neuer Oszillatoren und Filter-Saturation auch aggressive oder Acidartige Klänge möglich Bühnentauglichkeit: einer der besten Moogs für die Bühne; hand licher als der Voyager, großer Soundspeicher und vieles mehr Soundforschungspotenzial: groß Inspirationsfaktor: sehr groß (auch wegen des guten Sequenzers) Parameterzugriff: optimal Bedienfreundlichkeit: sehr gut Preis: 1.720,− Euro Nahe Verwandte: Eine kompakte und abgespeckte Variante ist der Sub Phatty, der dem Slim Phatty bei Weitem vorzuziehen ist. Er bietet eine gute klangliche Basis ohne Extras, allerdings muss man sich mit einem 2-OktavenKeyboard begnügen. Wer wird glücklich mit dem Synth? Studiobesitzer, Live-Musiker, Elektronik-Produzenten, Moog-Fans.

MFB Dominion
KLASSISCHES DESIGN, SUBTRAKTIVE STRUKTUR mit vielen CV/Gate-Extras − durch und durch hochwertiger Sound. Der MFB Dominion ist der edelste Synth, der die Berliner Synth-Manufaktur von Manfred Fricke je verlassen hat.

MFB Dominion

Der wohl edelste Synth, welcher die legendäre Berliner Synth-Schmiede von Manfred Fricke jemals verlassen hat. Der monofone Dominion ist sehr gut verarbeitet und mit einer angenehm spielbaren FatarTastatur (mit Aftertouch) ausgestattet. Die zwei Ribbon-Controller sind eine echte Bereicherung für Performance-orientierte Musiker. Die drei VCOs lassen sich parafon (also dreistimmig) spielen, können in sechs Fußlagen betrieben werden und lassen sich ringmodulieren. Das Multimode-Filter verfügt über zwölf wählbare Filtertypen und kann außerdem in einem Systemmenü den eigenen Vorstellungen (etwa beim Resonanzverhalten) angepasst werden. Durch den integrierten Arpeggiator und Sequenzer wird der Spaßfaktor nochmal erhöht, die Sequenzen können mit den Sounds abgespeichert werden.

Klangeigenschaften: cremiger, warmer, überzeugender Klang, viele Modulationsmöglichkeiten, neben klassischen Analogklängen sind auch ungewöhnliche Sounds möglich. Bühnentauglichkeit: gut, allerdings kein Klartextdisplay Soundforschungspotenzial: sehr groß, viele Patch-Buchsen Inspirationsfaktor: groß Parameterzugriff: optimal Bedienfreundlichkeit: sehr gut Besonderheit: flexibles MultimodeFilter, Waveshaping Preis: ca. 1.390,− Euro Nahe Verwandte: Der Dominion X (ca. 800,− Euro) ist die Expander-Variante des Dominion; allerdings bietet er nicht alle Features der Tastenversion. Wer wird glücklich mit dem Synth? Elektronik-Produzenten, Synth-Freaks, Studios sowie Keyboarder, die das Besondere wollen.

ARP-KorgMini
ARP Odyssey und Korg MS-20 wurden um ca. 15% geschrumpft, sind aber trotzdem vollwertige Synthis mit tollen Sound-Möglichkeiten.

ARP Odyssey

Eine der Sensationen der letzten Monate war die Wiedergeburt des ARP Odyssey. Korg ließ die duophone (bzw. zweifach parafone) Synthesizer-Legende fast originalgetreu und lediglich ein wenig (um 15%) geschrumpft wieder auferstehen. Wie beim Korg MS-20 mini findet man gewöhnungsbedürftige Minitasten vor, die sich okay spielen lassen. Ansonsten muss man auf nichts verzichten − ein kompletter Odyssey, der sogar umschaltbar die unterschiedlich klingenden Filterarchitekturen der drei Geräte-Revisionen berücksichtigt. Die analoge Klangerzeugung klingt definitiv wie ein Odyssey und ist sogar noch flexibler als das VintageOriginal, denn neben einer Sättigungsstufe sind auch USB und MIDI an Bord.

Klangeigenschaften: toll, klingt wie die ARP-Legende Bühnentauglichkeit: keine Speicherplätze, sorgfältige (und manchmal zeitraubende) Einstellung, Umregistrieren der Sounds erforderlich, daher eher für das Studio als für die Bühne geeignet (Ausnahme: abenteuerlustige Experimentalmusiker) Soundforschungspotenzial: groß, schöne Modulationsmöglichkeiten Inspirationsfaktor: Suchtgefahr, stundenlanges Rumschrauben ist unvermeidlich Parameterzugriff: optimal Bedienfreundlichkeit: sehr gut Preis: 1.000,− Euro Wer wird glücklich mit dem Synth? Vintage- und Analog-Fans, Klangtüftler, Electro-Produzenten, Freunde klassischer Synth-Sounds.

Korg MS20-Mini

Den MS-20, eine der wichtigsten Analog-Synth-Legenden überhaupt, aus dem Dornröschenschlaf zu holen, war eine Großtat von Korg. Endlich kann man sich den halbmodularen, monofonen Klassiker ins Studio holen, ohne überzogene Preise zahlen zu müssen. Korg hat beim MS-20 mini das Filter der ersten Serienversion verbaut, das etwas aggressiver zur Sache geht − eine kluge Entscheidung! Auch der “External Signal Processor”, mit dem man aus externen Audiosignal ein Steuersignal erzeugen kann, ist natürlich an Bord. Eine Integration des Synths in ein modernes Modularsystem wie etwa in ein Doepfer A-100 ist allerdings wegen der Korg-typischen Herz/Volt-Charakteristik nicht völlig unproblematisch.

Klangeigenschaften: klassischer MS-20-Sound mit dem typischen, leicht quäkig-aggressiven Filter, viele experimentelle Sounds möglich Bühnentauglichkeit: nur für Experimentalmusiker Soundforschungspotenzial: sehr groß Inspirationsfaktor: groß Parameter – zugriff: optimal Bedienfreundlichkeit: gut Preis: ca. 480,− Euro Wer wird glücklich mit dem Synth? Vintage-Freaks, Analog-Liebhaber.

Oberheim SEM
TOM OBERHEIMS SEM EXPANDER VERMITTELT EHER SPRÖDEN LABORCHARME, aber der Sound: fantastisch! Kenner und Liebhaber der richtig fetten Sounds werden sich vom relativ hohen Preis nicht beirren lassen, SEM = Synth-Kult!

Oberheim SEM

Das ist tatsächlich Oberkult: Tom Oberheim hat seinen ersten Synth wieder zum Leben erweckt: Das SEM-Modul besitzt eine schnörkellose, analoge Klangerzeugung: Zwei Oszillatoren liefern Sägezahn und Pulsweiten-modulierbare Rechteck-Wellenform; sie lassen sich bei Bedarf auch synchronisieren. Eine Besonderheit stellt das 12-dB-Filter dar: Es ist als Multimode-Filter ausgelegt und verfügt über die Betriebsarten Tiefpass, Bandpass, Hochpass und Notch. Oberheim hat mehrere SEM-Varianten im Programm: Die Pro-Version bietet sowohl ein integriertes MIDI/CV-Interface als auch ein Patch-Panel, die etwas günstigeren Versionen bieten entweder MIDI/CV-Interface oder das Patch-Panel.

Klangeigenschaften: Der charakteristische SEM-Sound − das 2-PolFilter gibt dem Synth einen offenen und runden Basis-Klang mit viel Präsenz, klingt niemals harsch, setzt sich aber trotzdem sehr gut durch. Bühnentauglichkeit: begrenzt Soundforschungspotenzial: groß, vor allem beim Einsatz der Patchbays Inspirationsfaktor: groß Parameterzugriff: optimal Bedienfreundlichkeit: sehr gut Preis: ca. 1.100,− Euro Nahe Verwandte: Kürzlich hat Oberheim auch den legendären 2-Voice wieder aufgelegt: Für ca. 3.700,− Euro erhält man einen zweistimmigen, auf SEM-Modulen basierenden Synthesizer mit vielen Extras. Wer wird glücklich mit dem Synth? Synth-Freaks, Analog-Liebhaber, Elektronik-Produzenten mit Geschmack.

Produkt: Keyboards 04/2019
Keyboards 04/2019
ANALOGUE WINTER +++ Moog Matriarch +++ Doug Carn +++ NOVATION SUMMIT – Hybrider Polysynth +++ METRONOMY – Frontmann Joe Mount +++ ERICA SYNTHS PICO SYSTEM III – Modulares Komplettpaket

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