Italienische Innovation

Dexibell Vivo H7

Markus Thiel

Schon optisch besticht die VIVO-H-Serie von Dexibell mit gelebter italienischer Designkultur. Diese gerät in diesem Fall aber in keinster Weise zum Selbstzweck, sondern unterstreicht lediglich selbstbewusst eine Schönheit, die sich zunächst bescheiden und unsichtbar unter der Oberfläche verbirgt.

Auch wenn man Dexibell mit Fug und Recht als noch junges Unternehmen bezeichnen darf, stehen hinter dem Namen alles andere als irgendwelche Newcomer im Musikinstrumenten-Business, sondern ein gut eingespieltes Entwickler-Team, welches auf insgesamt mehr als 25 Jahre Erfahrung in der italienischen Zweigstelle eines großen, ehemals japanischen Herstellers zurückgreifen kann. Nach Schließung der italienischen Zweigstelle entschied sich eine Handvoll Mitarbeiter, den Standort unter Gründung eines eigenen Unternehmens zu übernehmen.

Nach nur einem knappen Jahr Entwicklung präsentiert das Team um Luigi Bruti mit VIVO eine Digitalpiano-Serie, die das Potenzial besitzt, den internationalen Markt deutlich und vor allem nachhaltig umzukrempeln.

Das Herzstück der VIVO-Technologie bildet eine komplett neue und in ihrem Ansatz einzigartige Klangerzeugung namens »T2L« (True 2 Life), die aus einer konsequent gedachten »Best of both Worlds«-Idee hervorging. Neben aufwendig produzierten holophonen 24-Bit-Samples im XXL-Format mit bis zu 15 Sekunden Spieldauer (Bassbereich) kümmert sich bei dieser nämlich noch eine hochspezialisierte 32-Bit-Modeling-Engine um die Ergänzung interaktiver Klangprozesse wie etwa Saiteninteraktion und Obertonverhalten. Um dies zu ermöglichen, arbeiten im Hintergrund bis zu 320 digital steuerbare Oszillatoren parallel, gestützt von einer mächtigen Quad-Core-Prozessoreinheit aus der CORTEX Serie. Neben der möglichen Einflussnahme auf Hammer-, Mechanik- oder Dämpfergeräusch garantiert die Architektur zudem auch eine unbegrenzte Polyfonie.

Markus Thiel

Betrachtet man das aktuelle in mehreren Farbvarianten erhältliche Flaggschiff VIVO H7 und seinen kleineren Bruder H3, bemerkt man, dass bereits das Design voller Selbstbewusstsein eine grundlegende Spieländerung im Digitalpiano-Wettbewerb markiert. Abgesehen von der Form und ihrem stilsicheren Auftreten wurden in das Gehäusekonzept aber auch funktionale Details integriert. So wurde der Tieftonbereich des 2-Weg-Lautsprechersystems in eine in Richtung Spieler weisende Schräge unterhalb der Tastatur integriert. Abgesehen von der ergonomischen Eleganz dieser Lösung führt dies in der Praxis dazu, dass der so erreichte Abstrahlwinkel dem eines akustischen Klaviers auf eine ausgesprochen natürliche Art und Weise nahekommt.

Eine ebenso klare Linie verfolgt Dexibell im Übrigen auch bei der Bedienung der »H« wie »Home«-Serie. Trotz einer im Vergleich mit den VIVO Stagepiano-Modellen deutlich reduzierten Paneleinheit erweist sich das Setup als angenehm und vor allen Dingen praxisgerecht umgesetzt. Alles Lebensnotwendige lässt sich bequem auf Top-Level-Ebene erreichen. Möchte man mehr aus T2L herausholen, folgt man bei Bedarf der übersichtlich gestalteten und via Display immer klar zurückmeldenden Editierstruktur.

Markus Thiel

Klanglich bewegen sich die integrierten Piano- und E-Piano-Libraries auf einem in der Preisklasse bis 3.000 Euro wirklich einzigartigen Niveau. Die zuarbeitende Modeling-Architektur lässt einen beim Spiel fast vergessen, dass der digitalen Umsetzung der Instrumente in erster Linie ein »gewöhnliches« Sample zugrunde liegt. Unterstrichen durch das integrierte Lautsprechersystem kommt die außergewöhnliche Klangerzeugung dem Erlebnis eines akustischen Klaviers schon ausgesprochen nahe.

Abgesehen davon haben die Entwickler bei Dexibell aber auch sehr viel Energie in qualitativ hochwertige Brot&Butter-Sounds gesteckt. So können neben den hochwertigen Akustik-Pianos vor allem auch die Wurlitzer- und Rhodes-E-Pianos sowie Cembali und Orgeln überzeugen. Zudem profitieren auch diese sample-basierten Modeling-Kreationen von den ausgefeilten Editor-Optionen der T2L-Engine.

Mit dem H7 und dem kleinen Bruder H3 hat Dexibell einen neuen Standard in der digitalen Homepiano-Klasse definiert. Besondere Erwähnung sollte auch die Hochwertigkeit der verwendeten Tastatur aus gleichsam italienischer Fertigung finden, welche im Falle des H7 neben der Triple-Kontakt-Ausstattung sowohl über eine griffige Ivory-Touch-Oberfläche sowie eine flügelartige Graduierung verfügt. Zudem ist das Modell in Basislackierung mit einem Straßenpreis von knapp über 2.500,− Euro ausgesprochen attraktiv am Markt positioniert.

Interview mit Luigi Bruti

Luigi, was war der Initialimpuls zur Gründung von Dexibell und der Entwicklung einer eigenen Digital-Piano-Reihe?

Wir sind zunächst einmal lediglich mit dem Anspruch angetreten, eine neue Sound-Generation zu entwickeln. Auf Basis unserer Studien entfaltete sich schließlich ein unfassbares Potenzial. Wir entschieden uns schließlich dazu, dass das Digitalpiano zu den ersten gesteckten Zielen von Dexibell werden sollte, da der von lediglich vier bis fünf Marken dominierte Markt unserer Einschätzung nach zu dieser Zeit mit die schleppendste Entwicklung im Musikinstrumenten-Markt aufwies − besonders in Hinblick auf Technologie und Soundqualität.

Die Auswahl an Digitalpianos weltweit ist ja doch ziemlich groß. Was genau hast du effektiv vermisst?

Ich denke, dass die meisten Hersteller von Digitalpianos die letzten 20 Jahre lediglich damit verbracht haben, durch Kleinst-Optimierungen wie geringe Performance-Zugewinne oder über die Kostenreduktion miteinander zu konkurrieren. Dabei blieb das ursprüngliche Anliegen, nämlich einen perfekten Piano-Sound zu kreieren, oftmals auf der Strecke. Was ich am meisten vermisste, war die Möglichkeit des Pianos, adäquat auf die Spielweise des Pianisten zu reagieren − also echte Interaktion zwischen der Artikulation eines Spielers und dem Klangcharakter eines Pianos!

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Wie seid ihr bei der Entwicklung der Dexibell-Soundengine vorgegangen?

Unsere Erfahrung mit der bisherigen Entwicklung von Soundengines in früheren Unternehmen war sehr eng an die Verwendung dedizierter Sound-Generator-Chips gekoppelt. Als wir uns entschieden, ein eigenes Unternehmen von Grund auf neu zu gründen, war uns gleichzeitig klar, dass wir unsere Expertise darauf verwenden mussten, eine eigene leistungsfähige Plattform zu entwickeln. Infolgedessen entwarfen wir das System um eine leistungsfähige Quad-Core-Prozessoreinheit herum, die unseren Anforderungen entsprach. Im nächsten Schritt machten wir uns daran, aus dem Stand eine entsprechende Software für das virtuelle Sound-Generieren zu schreiben.

Schließlich habt ihr in der VIVO-Piano-Reihe wie auch beim Flaggschiff H7 einen in der Branche lang gehegten Traum verwirklicht: eine Kombination aus Sample-Library und Echtzeit-Modeling. Worin bestand bei diesem Ansatz die größte Herausforderung?

Dies ist wirklich der beste Teil unserer Technologie! Wir können auf der Grundlage unserer Architektur komplexeste Soundstrukturen und Multisamples in unzählige einzelne und unabhängige Einzelteile zerlegen und dann schließlich mit der Modeling-Engine detailliert und effektiv in allen Parametern bearbeiten und beeinflussen. Das alles läuft qualitativ in 24 Bit und 48 kHz. Damit erreichen wir in der Praxis eine 256 Mal höhere Dynamik als mit herkömmlichen 16-Bit-Wiedergabesystemen.

Was können wir zukünftig von Dexibell erwarten?

Mit unserer aktuellen T2L-Soundengine können wir bereits jetzt quasi unbegrenzt alle nur erdenklichen Musikinstrument-Kategorien integrieren. Darunter natürlich Orgeln, Drums sowie die verschiedensten akustischen Instrumente bis hin zu komplexen Synthesizer-Klangerzeugungen. Bei uns ist es eigentlich nur eine Frage der Priorität, dieses Potenzial für einzelne Instrumente auszuschöpfen. Die finale Qualität soll und wird schließlich herausragend sein. Unsere Ansprüche liegen da bereits weit über dem aktuellen Standard der Branche.

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