Schaltzentrale für MOX-Keyboarder

Das Yamaha MOX6/8 im Test

Yamaha MOX6

Soundprogrammierung oder die detaillierte Zusammenstellung multitimbraler Soundsets für den MIDI-Mehrspureinsatz ist über beschränkte Keyboarddisplays kein Spaß. Insbesondere, wenn wie bei Yamahas MOX bewusst Displayplatz eingespart wurde. Um das Potenzial dieser preiswerten, aber vielseitigen Workstation voll auszuschöpfen, gibt es Softwareeditoren. John Melas’ MOX-Tools bieten das Rundum-sorglos-Paket.

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Klar, Editorsoftware gibt es für fast alle Workstations und das meist kostenlos. Auch Yamaha bietet allen MOX-Anwendern kostenlose Software zum Programmieren von Voices und Mixings via Computer an. Wenn es jedoch um das Erstellen ausdrucksstarker Performances oder die Zusammenstellung geeigneter Masterprogramme für den nächsten Gig geht, braucht man andere Werkzeuge. Die MOX-Tools des griechischen Programmierers John Melas bieten all das und noch mehr.

Das MOX-Complete-Pack umfasst sechs Anwendungen, die auch einzeln erhältlich sind: VOICE EDITOR, DRUM KIT EDITOR, MIX EDITOR, PERFORMANCE EDITOR, MASTER

EDITOR und TOTAL LIBRARIAN. Das Complete-Pack gibt es übrigens auch für S90 XS/S70 XS sowie für MOTIF XF und XS, wobei für Letztere zusätzlich der WAVEFORM EDITOR zur komfortablen Samplebearbeitung und -verwaltung zur Verfügung steht. Vor dem Kauf können die Programme getestet werden. Sie alle haben eine sehr aufgeräumte Bedienoberfläche, deren Farbgebung auf Wunsch angepasst werden kann.

Voices und Mixings bearbeiten

Diese beiden Disziplinen beherrscht bereits der kostenlose MOX-Editor von Yamaha. Warum soll man dafür also Geld ausgeben? Zunächst einmal übertreffen John Melas’ Voiceund Mixing-Editoren Yamahas Anwendungen in Funktionsvielfalt und Übersichtlichkeit. Darüber hinaus arbeiten die sechs MOX-Tools in vielen Bereichen eng zusammen und tauschen Daten untereinander zur dezidierten Bearbeitung aus. Daher ist die Verwendung des gesamten Complete-Packs zu empfehlen. Zur Bearbeitung von Drum-Voices steht der gesonderte Drum Kit Editor bereit. Sowohl Drum Kit Editor als auch Voice Editor überzeugen mit ausgefeilten Kopierfunktionen für die Elements bzw. Drum-Keys sowie für Pitch-, Amp- und Filter-Hüllkurven. Auch gibt es für die Multisamplezuweisung innerhalb der Wave-Liste sehr nützliche Suchfunktionen nach Namen, Kategorien wie z. B. Drums oder gar Unterkategorien (Hi-Hats), wodurch ermüdendes Scrollen entfällt. Allein diese Möglichkeiten beschleunigen die Arbeit ungemein.

Über den Mix Editor können sämtliche Einstellungen eines Mixings gewählt oder verändert werden. Und zwar übersichtlicher als im Yamaha-Editor, da die detaillierte Mixing-Voice-Bearbeitung in den Voice Editor ausgelagert wurde. Dagegen hat man Zugriff auf sämtliche Part-Parameter, die im kostenlosen MOX-Editor größtenteils fehlen. Kleine Anpassungen der Hüllkurven oder Filtereinstellungen sind so im Handumdrehen vorgenommen, ohne die Voices anfassen zu müssen. Sollte eine tiefergehende Bearbeitung nötig sein, wird die Voice auf Knopfdruck vorübergehend im Voice Editor geöffnet.

Auch im Mix Editor stehen äußerst hilfreiche Kopierfunktionen bereit: Z. B. können die Einstellungen eines Parts, der Systemeffekte oder der Arpeggiatoren von einem Mixing zu einem anderen übertragen werden. Oder es lassen sich die kompletten Einstellungen zweier Parts eines Mixings untereinander austauschen. Sehr praktisch ist auch die Funktion, mit der Voices inklusive aller Effekt- und Arp-Parameter in einen Mixing-Part kopiert werden können, damit sie haargenau so klingen wie im Voice-Modus. Außerdem nützlich: Beim Speichern eines Mixings am Computer werden nicht nur sämtliche Mixing-Voices, sondern auch alle nötigen User-Voices mit abgespeichert. Dadurch wird gewährleistet, dass beim Öffnen eines Mixings alle benötigten Voices am MOX wiedergegeben werden.

Performances und Master

Ein besonderer Clou der MOX-Tools ist der Performance Editor. Mit ihm lassen sich Performances inklusive aller Part-Parameter ebenso einfach und übersichtlich bearbeiten wie Mixings. Möchte man etwa bei einer Performance ein Instrument tauschen, die zugewiesenen Schlagzeugrhythmen im Arpeggiator ändern oder den Tastaturumfang eines Parts einschränken, so ist all dies mit wenigen Mausklicks geschehen. Bei der Voice-Zuweisung für die vier Parts helfen ebenfalls Suchfunktionen mit Zugriff auf Name, Kategorien und Speicherbänke. Und auch hier kommen die bereits genannten Kopierfunktionen für PerformanceParts, Effekte und Arpeggiator zum Einsatz .

John Melas’ Master Editor hilft dabei, die Masterkeyboard-Funktionen des MOX in den Griff zu bekommen. Zwar bietet dessen MasterModus im Gegensatz zu XF/XS nur maximal vier anstatt acht Keyboardzonen, aber auch diese wollen sinnvoll eingerichtet werden. Der Editor verfügt über dieselben nützlichen und zeitsparenden Hilfsmittel wie Kopier-, Such- und Auswahlfunktionen für Voices, Performances usw. Im Nu sind den vier Parts unterschiedliche Voices zugeordnet sowie Tastaturumfang und MIDI-Kanäle justiert (falls man z. B. eine Voice über eine zweite angeschlossene MIDI-Tastatur spielen will).

Sound-Organisation

Die Bedienoberfläche des Total Librarian stellt sämtliche Soundbänke des MOX als Ordnerstruktur dar, in der sich Voices, Performances und Master wie Dateien organisieren lassen. Dabei helfen Funktionen wie Sortieren, Kopieren, Einfügen, Umbenennen und Kategorisieren. Sogar Voice-Kommentare lassen sich eingeben und speichern. Da mehrere Libraries parallel geöffnet werden können, lassen sich Sounds problemlos zwischen ihnen z. B. per Drag&Drop verschieben oder kopieren. Auf diese Weise ist es ein Leichtes, seine Sounds in viele zweckoptimierte Bibliotheken für Songproduktionen oder das nächste Bühnengastspiel zu organisieren.

Eine tolle Funktion der Software ist die Möglichkeit, Sounds der verschiedensten Motif-Datenformate zu lesen und zu konvertieren. Damit können z. B. Programme des MOTIF XS und XF importiert und in den MOX geladen werden. Natürlich kann der MOX dabei nur solche Sounds korrekt verarbeiten, die nicht samplebasiert sind (da er nicht wie seine großen Brüder über Samplespeicher verfügt) und nicht auf den erweiterten ROM-Speicher des XF zugreifen. Außerdem klingen nicht alle konvertierten Performances und Mixings immer absolut identisch, da der MOX im Gegensatz zu Motif XS/XF maximal die Insertion-Effekte von drei Voices gleichzeitig erzeugen kann. Dennoch erweitert diese Funktion das potenzielle Klangfutter aller MOX-Keyboarder enorm.

Fazit

John Melas’ MOX-Tools sind allen Anwendern der MOX-Workstations sehr zu empfehlen. Egal ob es um computerbasiertes MIDI-Recording oder um das Optimieren und Zusammenstellen von Sounds für den nächsten Auftritt geht. Mit den entsprechenden Werkzeugen sowie dem Total Librarian hat man seine Sounds und den MOX trotz seines kleinen Displays immer unter Kontrolle und kann das Beste aus seinem „kleinen“ Motif herausholen. Die ausgefuchsten Kopier- und Suchfunktionen sowie zahlreiche Tastaturbefehle beschleunigen die Programmierarbeit ungemein, und der Preis ist aufgrund des gebotenen Funktionsumfangs durchaus gerechtfertigt. Unterstützt Griechenland!

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