Produkt: Keyboards 04/2019
Keyboards 04/2019
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Vintage Park

Back in the USSR: Aelita – der beste Sowjet-Synth?

(Bild: Dieter Stork)

Aelita ist der Name eines russischen Stummfilms aus den 20er-Jahren sowie eines sowjetischen Kult-Synths, den viele Synth-Kenner nicht auf dem Schirm haben.

Alle, die ihn schon mal gespielt haben, bestätigen die Einschätzung, dass der Aelita der am fettesten klingende Sowjet-Synth ist. Dabei stand er in der öffentlichen Wahrnehmung eigentlich meist im Schatten des weit bekannteren Polivoks und war im Westen nur wenigen Kennern bekannt. Dazu gehören z. B. die Leute der US-Firma Syntaur, die schon in den 90er-Jahren ein Sampleset mit Sounds des Exoten im Angebot hatten. Der Stummfilm Aelita, der die Namensgebung des Synths inspirierte, stammt übrigens aus der frühen, künstlerisch sehr kreativen Phase der Sowjetunion, wurde 1924 uraufgeführt und gehört zur ersten Generation von Science-Fiction-Filmen. Die konstruktivistisch ausgestatteten Mars-Szenen beeinflussten spätere Filme wie Metropolis oder Liquid Sky. Aufführungen in Leningrad wurden live von Dimitri Shostakovich am Piano begleitet.

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Der Aelita-Synth wird auch »Muron Aelita« genannt, da er in Muron, einer der ältesten russischen Städte gefertigt wurde. In Muron gibt es seit den 70er-Jahren eine Fabrik für Radios und elektronisches Equipment für die Sowjetarmee. Der Aelita-Synth gehörte ebenfalls zu den Produkten der Traditionsfirma und kam 1987 auf den Markt. Gebaut wurde er bis ca. 1989.

Auch der polyfone Analogsynthesizer Junost 21, der als Keytar designt wurde und dessen Namensgebung und Farbgestaltung ein wenig vom Roland Juno-106 beeinflusst sind, stammt aus der Fabrik in Muron.

Die Hüllkurven-Sektion des Aelita
Die Oszillatoren lassen sich in fünf Fußlagen betreiben.
Die umgekehrte Reglerlogik des Synths ist gewöhnungsbedürftig.
Der Junost 21 ist ein analoger Synthesizer mit einer polyfonen Frequenzteiler-Klangerzeugung. Er wurde ebenfalls in der Radiofabrik in Muron gebaut und kam 1986 heraus.

Den kompletten Artikel findest du in der Sound&Recording + Keyboards-Ausgabe 02/2020. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

Statement von Steve Baltes

Der Elektronik-Musiker Steve Baltes liebt Vintage-Synths und setzt sie (u. a. auch den Aelita) bei seiner 80er-Jahre-inspirierten Synthpop-Band Arctic Sunrise ein (www.facebook.com/wearearcticsunrise), deren drittes Album Across The Ice Ende 2019 erschienen ist.

»Ich habe schon länger eine Schwäche für russisches Musik-Equipment. Nach einigen schrägen Drum-Machine- und Effekt-Funden landete mit dem legendären Polivoks irgendwann ein Soviet-Synth-Klassiker im Studio, der schon einen sehr eigenständigen Sound hat.

Irgendwann stolperte ich dann auf einer Auktionsplattform über einen Aelita Synthesizer, der mich sofort durch seine wirklich abgefahrene Optik inklusive Klapp-Panel faszinierte. So wurde ich schwach und klanglich absolut nicht enttäuscht.

Der Aelita lässt sich vom Sound kaum mit anderen Synthesizern vergleichen. Er hat zwar ein recht simples 3-Oszillatoren-Mono-Synth-Layout, jedoch ist die Umsetzung genauso schräg wie der Klang. Die Schalter vermitteln das Flair eines russischen Kraftwerks. Die Verarbeitung scheint sowjetischer Militär-Spezifikation zu entsprechen. So wiegt der Aelita auch ungefähr so viel wie ein Panzer. Hat man seine Kyrillisch-Kenntnisse einmal aufgefrischt, sich an die zum Teil umgekehrt regelnden Slider (oben 0, unten 10) gewöhnt und mit dem gruseligen 3,5-Oktaven-Keyboard abgefunden, wird man durch einen absolut eigenwilligen und zum Teil wirklich furchteinflößenden Sound belohnt. Besonderes Highlight ist die Unisono-Funktion, welche einen ›geheimen‹ vierten VCO zuschaltet und weitere Stimmen für ultra-brachiale Sounds (zu Lasten des Tonumfangs) hinzufügt. Technisch war mir diese Funktion nie ganz klar, aber klingen tut es fantastisch.

Der Aelita ist recht häufig und meist vergleichsweise günstig zu finden und somit ein echter Geheimtipp. Er lässt sich relativ einfach mit MIDI nachrüsten. Die angebotenen Kits bieten auch die Möglichkeit, den schönen charaktervollen 12-dB-Filter zu automatisieren. Für meine Synth-Pop-Band Arctic Sunrise ist der robuste Russe fester Bestandteil des Setups. Auf unserem zweiten Album gibt es den Song Tell The Truth, bei dem 98 % aller Synth-Sounds ausschließlich aus dem Aelita stammen und einen guten Eindruck zum Klangcharakter vermitteln.«

Produkt: Keyboards 03/2019
Keyboards 03/2019
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