Produkt: Keyboards Digital 02/2019
Keyboards Digital 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
Hybrid-Synthesizer auf klein(st)em Raum

Arturia MiniLab Controller plus Software-Synth im Test

(Bild: Dieter Stork)

Wer heute noch erfolgreiche Geräte auf den Markt bringen will, der schafft das immer seltener mit riesigen Kisten voller abertausender Drehregler, verschwurbelten Menüs und 16-Kilogramm-Bauweise. Arturia hat bereits sehr früh diese Entwicklung erkannt und sehr leistungsfähige hybride Instrumente geschaffen, die robuste Hardware-Controller mit gut klingenden Software-Instrumente verknüpfen. So etwa mit dem Drumcomputer Spark und dem Analog Laboratory, das vollgestopft mit Arturias preisgekrönten Vintage-Synthesizer-Emulationen ist. Mit dem MiniLab legt Arturia nun eine kleine Variante für den Einsatz daheim und unterwegs nach.

Arturia bleibt optisch seinen bisherigen Geräten treu und verwendet die Farben Weiß, Grau und Hellblau. Die Seitenteile in Holzoptik vermitteln schon mal einen sehr edlen und zugleich stylischen Look, sie sind aber in Wirklichkeit aus Plastik (und entsprechend weniger stabil als Holz).

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Dennoch sind Potenziometer, Pads und die anderen Bedienelemente wie Pitch- und Modulations-Touchfader hochwertig und stabil verbaut. Von dem 25-Tasten-Minikeyboard sollte man natürlich keine Wunder erwarten. Anders als die acht Pads, die je nach gewähltem Preset für das Abfeuern einzelner Töne oder ganzer Akkorde zuständig sein können, ist die Tastatur aber anschlagdynamisch – das passt schon einmal. Trotzdem hat die „Klaviatur“ einen recht starken Druckpunkt und lässt durch ihre Größe nicht immer ein fehlerfreies Spiel zu – sei’s drum: Schließlich wollen wir damit nicht Rachmaninow spielen.

Komplettiert wird die Bedienoberfläche durch die obligatorischen Oktave-Up- und -Down-Taster, eine Umschalttaste für die Pads sowie eine Shift-Taste, um MIDI-Presets und -Channel auszuwählen.

Seine Verbindung zum PC findet das MiniLab an der linken Seite via USB. MIDI-Buchsen fehlen – schade! Das hätte der kleinen Kiste noch einmal mehr Möglichkeiten mit auf den Weg gegeben.

Auflagefolien zum Beschriften der frei belegbaren Controller-Regler werden mitgeliefert. (Bild: Dieter Stork)

Innere Werte

Zwar kann das MiniLab auch als Controller für zum Beispiel DAWs eingesetzt werden, in diesem Test gehe ich aber nur auf die mitgelieferte Software AnalogLab ein, die natürlich vor dem ersten Spielen installiert werden muss, was unter Mac und Windows gleichermaßen leicht funktioniert. Danach muss die kleine Kiste in den Einstellungen noch als Controller festgelegt werden – fertig.

AnalogLab kann standalone, aber auch als VST-2/3-, AU- und RTAS-Plug-in sowohl in 32 als auch in 64 Bit verwendet werden – da sollte es also keine Probleme geben. Die Software an sich erklärt sich von selbst und bietet Möglichkeiten, die einzelnen Controller-Elemente individuell zu konfigurieren. Auch sämtliche Parameter zum gerade gewählten Preset werden angezeigt. Übrigens lässt sich natürlich auch ein anderer Controller anschließen – Soft- und Hardware sind nicht aneinander gekoppelt.

Das macht auch Sinn – denn manche der über 5.000 (!) Sound machen einen so großen Spaß, dass man mit zwei Oktaven öfters an die Grenzen der kleinen Tastatur stößt. Ansonsten lassen sich eigene Sounds natürlich leicht speichern und über verschiedene Sortiermöglichkeiten wieder aufrufen – leichter klappt das kaum.

Sound

Einfach gesagt: Da ist für jeden was dabei. Und nicht nur das – Arturia liefert neben obligatorischen Brot-und-Butter-Sounds mehr als genug, das schon beim ersten Anspielen wahnsinnig inspirieren kann. Man hört aber auch heraus, wie gut es Arturia gelungen ist, die klangliche Vielfalt von Klassikern wie Jupiter-8 oder Minimoog zu emulieren. Egal ob klassische Synthsounds à la Klaus Schulze und Jean Michel Jarre oder Sounds für die moderne Musikproduktion gesucht werden, das AnalogLab ist gerade für diejenigen, die einfach nur gute Sounds haben möchten – und weniger selber Sounds schrauben –, eine wirklich gute Basis.

Entsprechend schnell lassen sich die Presets mit den limitierten Regelmöglichkeiten einem musikalischen Kontext anpassen. Und genau damit wird das Schrauben und Performen der Sounds über den Hardware-Controller – der immerhin bis zu 16 Parameter im direkten Zugriff hat – ein echter Spaß. Sehr intuitiv und super praktisch!

Zwar ist der MiniLab-Controller als Hybrid für die Verwendung der Analog-Lab-Software ausgelegt, er lässt sich aber auch als Controller für das iPad einsetzen. Alles in allem ein portabler Allrounder, der neben dem Laptop in fast jede Tasche passen sollte.

Analog Lab bietet eine riesige Auswahl an geschmackvoll programmierten Synth-Sounds und basiert auf den Engines der bekannten Arturia-Softsynths. (Bild: Dieter Stork)

Fazit

Natürlich hat Arturia hier kein Monster für die Bühne konzipiert und eventuell auch keine Software für den kommerziell produzierenden Musiker geschaffen – das Konzept hat aber dennoch seine Daseinsberechtigung. Gerade dann, wenn eine günstige Lösung gefragt ist, mit der man mobil einfach nur mal Musik machen und dabei nicht auf fette Sounds verzichten möchte, bietet das Mini-Lab-Paket ein extrem gutes Preis/Leistungs-Verhältnis.


Hersteller/Vertrieb: Arturia / Tomeso

UvP/Straßenpreis: 99,— Euro/ca. 95,— Euro

Internet: www.tomeso.de

+ einfache Handhabung

+ riesige Auswahl an Presets

+ AnalogLab nutzt Arturia Synth-Engines zur Emulation analoger Klassiker

+ gute Verarbeitung

Produkt: Keyboards Digital 04/2019
Keyboards Digital 04/2019
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