AdrenaLinn- Groove Filter FX + Amp Modelling + Drumcomputer

Roger Linn, Erschaffer von legendären Drumcomputern wie der Linndrum und dem Akai MPC60 wird von vielen Leuten verehrt. Aber er ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern kreiert immer neue Musikmaschinen, für die man manchmal nur schwer einen Gattungsnamen finden kann.

AdrenaLinn- Groove Filter FX + Amp Modelling + Drumcomputer

Anzeige

Seine neueste Kreation ist eine Art eierlegende Wollmilchsau im Miniformat: Sie vereint einen Groove-Effekt mit einem Drumcomputer und hat noch eine Amp-Modelling-Sektion an Bord. Äußerlich erinnert das Gerät an eine große Tretmine und in der Tat ist die violette Wunderbox in erster Linie als Geheimwaffe für Gitarristen gedacht; aber auch Keyboarder und Produzenten können von ihr profitieren. Mit Hilfe der aufgedruckten 8-x-4-Matrix und den vier Endlosdrehreglern kommt man mit dem AdrenaLinn auch ohne Bedienungsanleitung schnell zurecht. Die Endlosdrehregler sind bewegungssensitiv und reagieren bei schnelleren Drehbewegungen mit dem Überspringen größerer Wertebereiche, was in der Praxis sehr hilfreich ist.

Filter und Modulation

Das Signal durchläuft erst das Groove-Filter-Modul, dann die Amp Modelling-Sektion und schließlich ein Delay. Es gibt 100 Presets und 100 User-Speicherplätze. Das Groove-Filter bietet sechs verschiedene Filter- und Modulationstypen: 2-Pole Lowpass (12 dB/Okt.), 4-Pole-Lowpass (24 dB/Okt.), Flanger, Inverted Flanger (Flanger mit Phasenumkehrung), Pitch und Volume. Die beiden Lowpass-Filter verfügen über die Parameter Cutoff, Resonanz, Attack und Decay. Bei den Flanger-Algorithmen lässt sich die Delay-Zeit und das Feedback einstellen. Alle Filter, Flanger- und Volume-Effekte lassen sich über einen Sequenzer mit 32 Steps steuern. Neben der Sequenz stehen als Modulationsquellen noch ein LFO (Sinus, Dreieck, Pulse und Random) sowie ein einfacher ENVELOPE GENERATOR, regelbar in Attack und Release, zur Verfügung. Auch externe MIDI-Daten wie Noten, Velocity, Pitch, Aftertouch oder diverse andere Controller wie ein ENVELOPE FOLLOWER und HOLD PEAK können als Modulationsquellen genutzt werden.

Amp Modelling

In der Amp Modelling Sektion tummeln sich zwölf verschiedene Algorithmen, die bekannten Vorbildern nachempfunden sind. Sie stellen keine genauen Kopien der Originale dar, klingen aber alle sehr brauchbar bis gut. Einstellen können Sie lediglich DRIVE und einen 3-Band-Equalizer. Dafür haben Sie aber die Wahl, den Amp vor oder auch nach den anderen Effekten im Signalweg zu platzieren, was teils sehr unterschiedliche Wirkung auf den Sound haben kann.

AdrenaLinn- Groove Filter FX + Amp Modelling + Drumcomputer

Trotz weniger Bedienelemente lässt sich der AdrenaLinn dank seiner übersichtlichen Bedienoberfläche leicht bedienen.

Drumcomputer

Der integrierte Drumcomputer ist zwar in seinen Möglichkeiten limitiert, aber mehr als eine bloße Beigabe. Die 100 Preset-Patterns bieten schon mal eine große stilistische Bandbreite von 2Step über R’n’B bis zu Rock-Grooves. Die implementierten Sounds (jeweils neun Bassdrums, Snares und HiHats, sowie 3 Percussion-Sets mit jeweils 5 Samples) befriedigen fast alle Grundbedürfnisse, man findet sowohl das < als auch Natur-Drums (teilweise mit Hall und Gate) sowie Spezialitäten aus der Linn9000. Ich hätte mir auch noch die Linndrum-8-Bit-Sounds gewünscht, aber man kann nicht alles haben.

Die Erstellung der 32 Steps langen Patterns erfolgt ebenfalls über die Matrix und die vier Endlosregler, wobei sehr oldschoolig drei Lautstärkestufen programmiert werden können. Nur bei den Percussionsounds ist die Lautstärke fest vorgegeben und die Soundauswahl der Percussion-Sets wird pro Step vorgenommen, was etwas umständlich ist. Die vierstimmige Drumbox ist eine gute Basis für Song und Grooveideen. Und sobald Sie die Patterns mit den Effekten bearbeiten, kommen Sie schnell zu ungewöhnlichen und eigenständigen Rhythmuskreationen, die auf anderem Equipment nur umständlich zu realisieren wären. Man sollte sich also nicht wundern, wenn man zukünftig häufiger in öffentlichen Verkehrsmitteln in sich versunkene Zeitgenossen sieht, die an einer violetten Bodentreterbox herumschrauben. Auch eine Swing-Funktion mit zwei Stufen wird geboten. Realtime-Programmierung ist leider nicht möglich.

An Stelle einer Tempo-Tap-Funktion verfügt der AdrenaLinn über eine Hold-Tempo-Funktion. Für die Edititierung am Computer wird eine Anpassung für Emagics Sound Diver bereitgestellt. Hoffentlich folgt auch bald ein Editor für Nicht-Sound-Diver-Besitzer, denn die Programmierung der Drumpatterns und Filter-Sequenzen lässt sich Computergestützt viel leichter bewerkstelligen. Der komplette Speicherinhalt lässt sich mittels MIDI-Dump im Computer ablegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: