Ein- und zweitaktige Piano-Riffs

Rockin’ Piano Spieltechnik

Ein grooviges Piano-Riff vereint im Klaviersatz die komplette Rhythm-Section, also Drums, Bass und Piano. Und damit es ordentlich groovt, bedarf es in erster Linie einer gewissen Unabhängigkeit von rechter und linker Hand.

Rockin Piano Klavier Aufmacher

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Zunächst sollte man sich vergegenwärtigen, dass Bass- und Snare Drum beim Schlagzeug die Hauptträger eines jeden Beats sind. Am Keyboard verteilen wir diese Säulen der Rhythmik auf die linke und rechte Hand. Das wiederum führt dazu, dass man es bei Riffs – oder auch: Vamps, Loops – mit relativ komplexen Rhythmisierungen zu tun hat, da linke und rechte Hand, wie beim Paradiddle, permanent abwechselnd spielen. Genau diese Verzahnung des Klaviersatzes macht den Reiz von Riffs aus.

Hier sei als klassisches Beispiel Herbie Hancocks Cantaloupe Island erwähnt. Linke oder rechte Hand für sich alleine klingen substanzlos. Und das kann sogar schwieriger zu spielen sein als zusammen, da die rhythmische Logik des ergänzenden Konterparts fehlt. Man versuche einmal, nur die linke Hand in Beispiel 10 zu spielen. Viel Spaß beim Zählen!

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Daher rate ich, die Riffs direkt mit beiden Händen zu üben, und zwar zunächst ganz langsam, um die rhythmische Struktur mit allen Beats und Off-Beats zu verstehen. Der linken Hand fällt natürlich gleichzeitig die Funktion des Bassisten zu, so wie der rechten die melodisch-harmonische Führung.

Eintaktige Riffs

Die Beispiele 1–10 sollen demonstrieren, wie ein einfaches Riff nach und nach durch Pickups, Synkopierung und Sechzehntel-Verdichtung an Komplexität und Raffinesse zunehmen kann. Im Prinzip geht es also darum, die Pausen der jeweils anderen Hand zu nutzen bzw. sukzessive aufzufüllen, ohne freilich das Ausgangs-Riff allzu sehr zu verfremden. Von daher ist es sinnvoll, eher mit der linken Hand in die Lücken der rechten zu spielen, während die Akkorde mittels kleinster Versetzungen ebenso dynamisch punkten können.

Apropos Dynamik: Pickups, wie etwa in Beispiel 3 die Sechzehntel-Oktave in der linken Hand, sollten so locker und leise wie möglich gespielt werden; sie dienen lediglich als Anschub für den nachfolgenden Akkord in der rechten Hand. Pickups sind aber das Salz in der Suppe, sie bringen den nötigen Vorwärts-Push. Und je mehr Sechzehntel in der linken Hand hinzukommen, desto leichter und runder erklingt das Riff und führt in den Beispielen 11 und 12 zu einem schönen Doubletime-Feeling.

Es macht übrigens durchaus Sinn, innerhalb der Loops hin und her zu springen, z. B. von Riff 1 zu Riff 5 oder wie auch immer. Die Loops lassen sich untereinander beliebig kombinieren.

Eintaktige Riffs

Zweitaktige Riffs

Sie eignen sich sehr gut, sobald mehrere Harmonien im Spiel sind und ein formales Korsett gesucht wird. In einer achttaktigen Form wirken womöglich vier zweitaktige Riffs geschlossener als acht eintaktige. Vor allem die Möglichkeit, den zweiten Takt mittels einer Synkope auf Zählzeit 4+ mit reichlich Akzent vorzuziehen, ist ein schönes Tool, um beide Takte als rund laufende Einheit miteinander zu verschmelzen.

Ebenso bieten sich jetzt sogenannte Fills an, wie man es von den Drums her kennt. Das sind rhythmische Verdichtungen gegen Ende des letzten Taktes (Beispiele 2, 3 und 4, jeweils ab Zählzeit 3), um mit Power wieder zur großen „1“ zurückzukehren. Die verwendeten Akkord-Progressionen Gm7-C7-Fsus (Bsp. 2–4), Gm7-Eb-D7alt (Bsp. 5) und Gm7-Eb7 (Bsp. 6) sind lediglich eine kleine Auswahl unzähliger Varianten der harmonischen Ausgestaltung, die du nach Belieben gegen andere austauschen kannst. Grooven wird es allemal.

Zweitaktige Riffs

Und noch ein kleiner Tipp, falls es bei den Sechzehnteln, speziell bei den Vorziehern, etwas hakeln sollte: Laut mitzählen: 1-e-un-te, 2-e-un-te usw. Viel Spaß beim Üben!

 

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