Filmmusik

Im Gegensatz zu einer reinen Musikproduktion steht bei einer Soundtrack-Produktion der Ton im Dienste des Films. Im Idealfall ergeben Bild und Ton ein einziges untrennbares stimmiges Ganzes, doch dazu bedarf es einer bestimmten Herangehensweise.

 

Gerade in der Filmvertonung ist es gang und gebe, einzelne Sounds gelegentlich extrem aufzupumpen oder besonders übertrieben zu bearbeiten, damit das Ergebnis möglichst dem eindrucksvollen Bild gleicht.

Alle orchestral angelegten Werke in der Filmmusik, die neben dem modernen Konzertleben der größeren Städte sicherlich den Hauptanteil zeitgenössischer Orchesterwerke stellt, beziehen sich auf eine oder mehrere der Epochen. Die Hollywood-üblich elegischen Gefühlsausbrüche angesichts wiederbelebter Dinosaurier oder herzzerreißender Beziehungstragödien bedienen sich meist der bewährten, energiegeladenen Tonsprache der Hochromantik, die durch den Einsatz weit ausladender Streicherorgien und durch respekteinflößendes Blech- und Schlagwerk geprägt wird. Alle bedeutenden oder unbedeutenden Filmkomponisten haben im Wesentlichen dort den musikalischen Umgang mit der großen Emotion gelernt.

In Sachen Ausbildungsmöglichkeiten sind die USA das Mekka der Filmmusik. Hierzulande sind die Ausbildungsorte rar gesät. Die wohl am meisten bekannte Schule ist die Ludwigsburger Filmakademie. Für das Studienfach Filmmusik/Sounddesign muss man ein Musikstudium an einer Akademie oder Hochschule nach Möglichkeit abgeschlossen, mindestens aber Vordiplom haben. Klavier als Hauptinstrument ist empfehlenswert. Die erste Runde des Bewerbungsverfahren umfasst das Einreichen eigener Arbeiten in Form von Partituren, Demo-CDs oder Videobändern – d. h. es ist wichtig, neben der eigenen musikalischen Grundausbildung auch Erfahrungen mit Komposition, Orchestration, Arrangement, Filmprojekten, etc. nachzuweisen. Pro Jahr werden 5 Plätze vergeben, die Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre (4 Semester + 1 Diplom-Semester).

Unterschieden wird in der Filmmusik zwischen diegetischer Musik (auch intra-diegetische Musik) und nicht-diegetischer Musik (auch extra-diegetische Musik). Dabei beschreibt die diegetische Musik jene Filmmusik, die aus der Handlung des Films zu hören ist. Typisch dafür ist ein Radio oder eine Band, die im Hintergrund oder auch Vordergrund spielt. Nicht-diegetische Filmmusik hingegen ist nur vom Rezipienten wahrnehmbar, nicht jedoch für die Charaktere im Film, auch die Musik im Vor- und Abspann gehören dazu.

Weiter wird unter präexistenter und nicht-präexistenter Filmmusik unterschieden. Präexistente Filmmusik ist dabei jene Musik, die nicht eigens für einen Film / eine bestimmte Filmszene komponiert wurde, sondern schon vorher existierte. Typische Vertreter hierfür ist z.B. „Also Sprach Zarathustra“ in Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey. Regisseure können so mit der Konnotation eines Stückes spielen, die historisch über Jahrzehnte der Filmgeschichte oder gar schon davor entstanden sind. So wird eine Revolte gerne mit der (abgewandelten) Melodie der Französischen Nationalhymne untermalt. Auch wird Stücken eine neue (die für spätere Filme gerne übernommen wird) und bisweilen sogar gegenteilige Konnotation durch Filme angeheftet. Der Ritt der Walküre für eine sich nähernde militärische (Nazi-) Armee ist ein solches Beispiel oder Beethovens 9. Sinfonie mit dem brutalen Hobby von Alex in A Clockwork Orange.

Nicht-präexistente Filmmusik drängt sich dabei meist weniger in den Vordergrund und soll meist mehr oder weniger unbewusst den Rezipienten in einen bestimmten emotionalen Zustand versetzen.

Zu beachten ist, dass nicht-präexistente Filmmusik zur präexistente Musik avanciert, sobald nicht-präexistente Musik aus einem früheren Film in einem neueren Verwendung findet.

Darüber hinaus wird Filmmusik in drei grundsätzliche Kategorien unterteilt, die jeweils andere psychologische Zwecke erfüllen soll: die Leitmotiv-Technik, Underscoring und Mood-Technik.

Bei der Leitmotiv-Technik gibt es für bestimmte Charaktere oder Situationen ein eigenes Thema. Bekannte Vertreter dieser Technik ist die Star-Wars-Saga, in der mit dem Imperialen Marsch häufig das Auftreten von Darth Vader begleitet wird. In anderen Filmen gibt es eigene Liebes-, Sehnsucht- oder sonstige Themen. Das Verfahren dieser Technik ist angelehnt an Richard Wagner, der bereits in seinen Opern diese Technik verwendete und weiterentwickelte und letztendlich auch etabliert hat.

Beim Underscoring werden Vorkommnisse, sichtbare Bewegungen und Gefühle im Film synchron musikalisch dargestellt. Die Technik wird in heutigen Filmen nicht mehr viel eingesetzt, ausgenommen sind Cartoons und Animationsfilme. Eine extreme Form des Underscoring ist das Mickey Mousing, bei der besonders Bewegungen noch lautmalerischer synchronisiert wird.

Die Mood-Technik fungiert unabhängig von konkreten Ereignissen im Film und untermalt innerliche Situationen der Filmprotagonisten und ihre Gefühle. Unterschieden wird hier noch in Expressive Filmmusik (Ausdruck der Stimmung der Filmprotagonisten) und Sensorische Filmmusik (Ausdruck einer bestimmten Atmosphäre).