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Roland und der JX-3P Synthesizer von 1983

In den frühen Achtzigerjahren galt es als schick, bei Synthesizern auf viele Bedienelemente zu verzichten und eine reduzierte, für damalige Begriffe futuristische Bedienoberfläche zu designen. Der User konnte weniger intuitiv schrauben, dafür wurde ihm aber auch weniger tief in die Tasche gegriffen, sein Gerät sah „moderner“ aus und hatte unter der Haube oft mehr Features.

Roland JX-3P Synthesizer Stork
(Bild: Dieter Stork)

Der Roland JX-3P bot tatsächlich eine Menge Dinge, die man in dieser Preisklasse sonst nicht bekam. Das damals 2.590 Mark teure Gerät besitzt zwei Oszillatoren, sechs Stimmen, viele User-Speicher sowie ein Feature, das 1983, als das Gerät auf den Markt kam, keineswegs selbstverständlich war: MIDI. Er ist (neben dem Roland Jupiter-6) einer der ersten Synthesizer, die damit serienmäßig ausgestattet waren.

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Äußeres

Mit seinen rot-blauen Applikationen und den silbernen Tastern fällt das Instrument etwas aus dem Rahmen und ist eine Art „Glam-Rocker“ unter den Roland-Synths. Das schwarze, stabile Gehäuse ist aus Metall, die Seitenteile sind aus Plastik.

Die nicht anschlagdynamische 61er-Tastatur lässt sich gut spielen. Der Roland-typische Bender (dessen Regelbereich sich dreistufig verändern lässt) ist über der Tastatur angebracht. Auf ein Display wurde verzichtet; stattdessen ist der Status des Instruments mit Hilfe der in den Tastern integrierten LEDs optisch zu kontrollieren. Weitere Bedienelemente sind ein Lautstärke-Poti und drei Fader für Dateneingabe, Geschwindigkeit des Sequenzers und Cutoff-Frequenz des Lowpass-Filters. Letzterer besitzt allerdings nur einen eingeschränkten Regelbereich. Da die Zahl der Soundparameter ziemlich übersichtlich ist (32), geht die Bedienung des Synths nach kurzer Eingewöhnungszeit gut von der Hand. Etwas nachteilig ist nur, dass man nicht genau erkennen kann, welche Werte genau eingegeben wurden, da die Darstellung der Parameterwerte nur grob durch eine Reihe von (in die Taster integrierten) 16 LEDs angezeigt wird. Das Gerät bietet 32 Preset-Sounds und 32 Klangspeicher für eigene Kreationen.

An Bord ist ein einfacher polyfoner Sequenzer mit einer Kapazität von 128 Steps. Die Sequenz wird im Stepmodus eingegeben; auch Pausen und variable Notenlängen sind möglich. Die Sequenz lässt sich zur externen Clock synchronisieren. Es kann nur eine Sequenz gespeichert werden, aber eine Massenspeicherung der Sequenzen und auch der Sounds ist via Kassetten-Interface möglich. Auf der Rückseite gibt es einen Stereoausgang, den Kopfhöreranschluss, das MIDI-Trio, den Anschluss für den Programmer, einen Hold-Fuß- schalteranschluss, ein Stimm-Poti und einen Triggereingang für die Synchronisierung des internen Sequenzers.

Hier haben wir das digitale Reissue, den Roland JX-03 aus der Boutique-Serie getestet. 

(Bild: Dieter Stork)

Klangerzeugung

Der JX-3P besitzt zwei digital kontrollierte Oszillatoren, die entsprechend stimmstabil sind und die Wellenformen Sägezahn, Puls, Nadelpuls erzeugen. Der zweite Oszillator ist zudem mit einem Rauschgenerator (White Noise) ausgestattet. Die beiden DCOs sind in drei Fußlagen spielbar und lassen sich gegeneinander feinverstimmen, synchronisieren und crossmodulieren, sodass auch böse, schneidende Leadsounds möglich sind. Leider verfügt der JX-3P (wie auch der Nachfolger JX-8P) nicht über eine Pulswellenmodulation – im Handbuch wird ein Workaround mittels Oszillatorsync empfohlen, aber das kommt einer echten PWM nicht wirklich nahe.

Das Lowpass-Filter hat eine 24-dB/Oktave-Charakteristik und klingt, wie von Roland-Synths dieser Ära gewohnt, sehr gut. Allerdings reicht die Resonanz nicht bis zur Selbstoszillation und dünnt den Klang bei hohen Werten etwas aus. Weiterhin verfügt der Synth über ein statisches, resonanzloses Hochpassfilter.

Als Modulationsziele stehen Lowpass-Cutoff, DCO und VCA zur Verfügung; sie können von einem (mit Delay-Funktion ausgestattetem) LFO mit den Wellenformen Triangel, Puls und Sample & Hold, oder von der ADSR-Hüllkurve moduliert werden. Es gibt eine versteckte Möglichkeit, auch White Noise als Modulationsquelle zu nutzen. Dazu gibt man beim Parameter „B 10“ (LFO-Waveform) den Wert „D“ ein.

VCA und VCF müssen sich eine Hüllkurve teilen. Allerdings kann der VCA auch mit einer Orgelhüllkurve arbeiten, und das Filter kann dann individuell mit ADSR-Envelope gesteuert werden. Eine schöne Beigabe ist der Chorus, der vor allem die Pad-Sounds deutlich aufwertet. Man kann ihn zwar nur ein- und ausschalten, und er ist nicht ganz rauschfrei, aber er klingt fantastisch.



№5/6 2017

  • Editorial
  • Facts & Storys
  • Modular Kolumne
  • EVANESCENCE
  • Im Gespräch mit Lars Eidinger
  • HÄMMERN MIT DEN GRANDBROTHERS
  • Reisen & Neuanfänge: Lucy Rose
  • Keys4CRO: Tim Schwerdter
  • Klangbastler Enik & Werkzeugmacher Gerhard Mayrhofer
  • Bei Klavis in Brüssel
  • BACK TO THE ROOTS: AKAI MPC X
  • Dexibell Combo J7
  • DICKES BRETT: POLYEND SEQ
  • Mr. Hyde & Dr. Strangelove jagen Dr. No
  • Visionäre: MIDI In My Head!
  • DIE ELKA-STORY
  • Transkription: Michael Wollny
  • Impressum
  • Inserenten, Händler
  • Das Letzte − Kolumne


Sound

Mit dem JX-3P kann man eine große Bandbreite typischer, gutklingender Analogsounds erzeugen. Sein Grundklang ist warm und im Vergleich zu anderen Roland-Modellen dieser Ära ein wenig mittig. Im Vergleich zu beispielsweise einem Juno-106 ist er in den Höhen weniger crisp und definiert, und der Bassbereich ist nicht ganz so druckvoll. Dafür kann der JX-3P mit zwei Oszillatoren und Synthesemöglichkeiten wie Oszillatorsync und Crossmodulation punkten, die dem Juno (der nur einen Oszillator besitzt), verwehrt bleiben. Außerdem fügt sich der JX-3P ohne Nachbearbeitung sehr gut in den Mix ein. Seine Stärken sind String-, Sweep- und Pad-Sounds sowie harsche Sync-Leads; metallische, geräuschhafte Spektren lassen sich dank Crossmodulation problemlos programmieren. Auch unter den Presets findet sich der eine oder andere gute Klang.

Programmer

Roland wollte dem JX-3P-Besitzer auch eine intuitivere Bedienung ermöglichen und brachte den PG-200-Programmer auf den Markt. Mit diesem etwa 500 Mark teuren Zubehör kann man auf alle Parameter direkt zugreifen. Er wird mit Magneten am Gehäuse des Synths befestigt. Allerdings ist im laufenden MIDI-Betrieb kein Editieren möglich. Aufgrund seines Pionierstatus fällt die MIDI-Implementierung des JX-3P ein wenig sparsam aus. Er empfängt und sendet immer auf Kanal 1, Sys-Ex-Daten bleiben außen vor, und lediglich Pitchbend, Hold und Programm-Change werden übertragen.

Das Gerät wurde uns 2007 freundlicherweise von Touched By Sound (www.touched-by-sound.com) zur Verfügung gestellt.

Hier findest du den Artikel von Matthias Becker über den JX-3P von 1990, aus der Reihe Synthesizer von Gestern und den Praxistest von Gerald Dellman aus dem Jahr 1986.

 

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Vielleicht wäre es für die spätgeborenen Synthomanen nicht ganz unwichtig zu erfahren, dass es vom JX3P auch ein Rackmodul namens MKS-30 gibt (bzw.gab). Das hatte zwar keinen Sequenzer war aber ansonsten klanggleich

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