Eine MPC ist eine MPC ist eine MPC ...

Akai MPC1000 im Test

Schon mit der MPC2000 brachte Akai eine Version des MIDI Production Centers heraus, das als „kleine“ MPC3000 schnell viele Freunde fand. Nun gibt’s den Klassiker endlich in noch handlicherer Form mit zeitgemäßem Speichermedium und mit ab Werk integrierten Effekten.

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(Bild: Dieter Stork)

Dabei ist die neue „Kleine“ in vielen Details identisch mit der MPC2000. Da das MPCKonzept schon oft in KEYBOARDS besprochen wurde, möchte ich den Überblick an dieser Stelle kurzhalten. Wer mit diesen Akai-Samplern gar nicht vertraut ist, findet bereits erschienene Testberichte zu dem Thema als kostenlosen Download in unserem Web-Plus-Angebot. Als Mischung aus Sampler und Patternorientiertem MIDI-Sequenzer ist die MPC1000 für den Live-Einsatz prädestiniert und macht auf Grund ihres robusten Erscheinens schon mal einen positiven Eindruck. Wegen der kompakten Maße mussten die Bedienelemente wohl etwas zusammenrücken: Die Anordnung der Cursor-Taster ist etwas unglücklich gewählt, aber man kommt in der Praxis eigentlich gut klar.

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Die Handhabung ist übersichtlich: mittels MODE-Taster lassen sich über die Pads die Edit- Menüs aufrufen. Hier hat man zunächst immer die wichtigsten Funktionen im Überblick, ein Druck auf WINDOW, und es öffnen sich Popup- Menüs mit ergänzenden Parametern. Mit MAIN schalten Sie zurück in den Spielbetrieb. Hier können Sie Patterns anwählen, das Tempo (mit einer Nachkommastelle) justieren oder „eintappen“, die Tracks anwählen, muten und solo schalten – alles, was man zum Performen braucht, findet man am rechten Fleck.

Die anschlagdynamischen Pads arbeiten zuverlässig. Wie bei den anderen MPC-Maschinen ist die Oberfläche griffig und lässt sich gut spielen. Die Pads reagieren allerdings deutlich weniger präzise, wenn man sie mal am äußeren Rand erwischt. Sie können die Anschlagdynamik bei Bedarf auch ausschalten und die Pads mittels TRACK MUTE zum Ein- und Ausschalten der Tracks benutzen. Eine wichtige Funktion für den Live-Einsatz, um die Dichte der Sequenz in Echtzeit zu arrangieren. Ebenso können Sie über die Pads mittels NEXT SEQ bestimmte Patterns abrufen, wobei die SUDDEN-Funktion es ermöglicht, ein Pattern unmittelbar abzufeuern – eine gute Möglichkeit für schnelle Changes in der Performance.

Samples & Programs

Ein PROGRAM kann bis zu 64 Samples enthalten. Diese sind organisiert in 4 Pad-Bänke à 16 Samples, die Sie mittels der PAD BANK Taster A-D direkt anwählen können. Ein großer Vorteil im Vergleich zur alten MPC2000: Die MPC1000 kann bis zu 24 PROGRAMs gleichzeitig verwalten, sodass die Sequenzer-Spuren unterschiedliche PROGRAMs ansprechen können. Weniger nett: hält man Pads beim Umschalten eines PROGRAMs gedrückt, erzeugt man Notenhänger.

Serienmäßig ist die MPC1000 mit 16 MB RAM ausgestattet, das Sie auch gegen die 128-MB-Erweiterung austauschen können. Beim Einschalten werden bereits einige Sounds und Sequenzen geladen. Diese sind in 5 MB Flash-ROM gespeichert und können überschrieben werden. Sie können ein Autoload- Volume erzeugen (im internen Flash-ROM oder auf der externen CF-Card), das nach dem Einschalten inklusive Patterns automatisch geladen wird.

Das Arbeiten mit den PROGRAMs gestaltet sich übersichtlich und komfortabel. Sie weisen die im RAM befindlichen Samples den Pads zu und können jedes Sample individuell einstellen in Level, Pan, Lautstärke-Hüllkurve. Außerdem können Sie dem Pad eine MIDI-Note zuweisen, pro Pad einen vierfachen Layer-Sound mit individuellen Velocity-Zonen erstellen und mit Hilfe von zwei in Reihe geschalteten 12-dB-Filtern den Sound bearbeiten. Die Filter sind resonanzfähig (allerdings ohne Selbstoszillation) und bieten die Typen Lowpass, Bandpass und Highpass. Alle Filtertypen leisten wirklich saubere Arbeit. Für meinen Geschmack fehlt dem Lowpass ein wenig „Charakter“, aber in den meisten Fällen wird man sich eher darüber freuen, dass die Filter sich weitgehend „klangneutral“ verhalten. Das passt auch zum insgesamt klaren und direkten Sound der MPC1000.


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KEYBOARDS 4/2016

Das sind die Themen dieser Ausgabe:

  • Sampletalk mit And.Ypsilon (Die fantastischen Vier)
  • Tobias Enhus spricht über sein Synclavier
  • Die Groove-Mutter: Yamaha RS7000
  • Real Samples – Historische Tasteninstrumente digitalisiert
  • Software-Sampler am Rande der Wahrnehmung
  • Korg DSS-1 als Hardware-Plug-in
  • Cinematique Instruments – Filmreife Sample-Instrumente
  • Groovesampler in der Praxis
  • Die Mellotron-Story
  • Vintage Park: Fairlight CMI
  • Transkription – Ten Sharp:

 

Über die Q-Slider können Sie Klangparameter wie TUNE, FILTER(-Cutoff), ATTACK, DECAY „bewegen“. Allerdings verhalten sich die Regler nicht anders als bei der MPC2000: Eine Parameter-Änderung wird erst nach erneutem Anschlagen des Pads wirksam – nichts also für sahnige Filter-Sweeps.

Die MPC1000 unterstützt Samples und Programs der MPC2000XL und ermöglicht den Import von AIF- und WAV-Files. Sie können die Daten per CompactFlash-Karte oder via USB an die MPC übertragen. Über USB können Sie allerdings die Samples nicht direkt ins RAM der MPC1000 übertragen, sondern nur auf die CompactFlash-Karte, sodass die Samples nach der Übertragung noch ins Sample-RAM geladen werden müssen.

Was die Bearbeitung der Aufnahmen anbelangt, dürfen Sie nicht mehr als Standard erwarten. Gewiss bringt einen die Einfachheit oft schneller ans Ziel als ein Funktions-Overkill, der einem den Blick aufs Wesentliche versperrt. Aber eine Time-Stretching-Funktion zur Tempo- Anpassung hätte man schon erwarten dürfen – ja nicht einmal die Beat-Match-Funktion der MPC2000 ist an Bord, mit welcher der Loop automatisch wenigstens per Tuning an ein Zieltempo angepasst wird.

Effekte

Außer den Standards aus Modulations-Effekten plus Reverb findet man noch einen Kompressor und einen 4-Band-EQ sowie einen einfachen Bit Grunger. Die Auswahl ist gelinde gesagt etwas einfach ausgefallen. Ein Delay hätte schon drin sein können. Die Effekte sind aber durchweg brauchbar und klingen gut. Auch die Effect-Sends im MIXER sind etwas einfach gestaltet. Die Effekte können Sie hier lediglich pro Pad ausschalten oder einem der beiden Effekt- Sektionen zuweisen. Die Mischung auf beide Effekte ist nicht möglich, ebenso wenig die Regelung des Effekt-Anteils pro Pad. Der Master-Effect bearbeitet die Stereo- Summe der MPC1000 mit einem 4-Band-EQ und einem Kompressor.

Alles etwas mager ausgefallen, aber die vorhandenen Dinge klingen und funktionieren gut. Außerdem können Sie bis zu vier monophone Signale über die Einzelausgänge ausspielen, um sie etwa einer speziellen Effektbearbeitung zuzuführen.

Sequenzer

Tradition verpflichtet – der Sequenzer ist genau so tight wie man es von einer MPC erwarten darf. Die Patterns werden mit konstantem Timing abgespielt, die Umschaltung zum jeweils angewählten Folge-Pattern verläuft ohne unerwünschte Vorkommnisse. Auch das Abfeuern der Patterns per SUDDEN-Funktion erfolgt prompt.

Bis zu 64 Spuren können Sie einspielen, wobei jede Spur entweder eines der internen PROGRAMs oder ein externes MIDI-Instrument steuern kann. Dank zweier MIDI-Ports können Sie so bis zu 32 MIDI-Kanäle adressieren. Sie können die Spuren in Echtzeit über die Pads einspielen oder ein externes MIDI-Keyboard benutzen. Auch der Import von MIDI-Files ist möglich. Aufnahmen können Sie per UNDO rückgängig machen, quantisieren, mit einer Swing-Funktion Groove geben, einzelne Events bearbeiten, Spuren kopieren usw. Alles ist einfach zu handhaben, aber nicht alle Funktionen können Sie „während der Fahrt“ durchführen. Um z. B. den Swing-Faktor einzustellen, ist leider für den Moment finito la musica angesagt.

Weitere Funktionen

Unter OTHER finden Sie noch einige Grundeinstellungen wie etwa die grundsätzliche Velocity-Empfindlichkeit der Pads, die sich mit vier Dynamikkurven weiter anpassen lassen. Zwei Fußtaster können Sie verwenden, um Sequenzer- Funktionen zu steuern (beispielsweise die Overdub-Aufnahme, Punch-In/Out oder Start/ Stop etc.), das Tempo einzutappen oder ein Sustain-Pedal zu verwenden.

Des Weiteren können Sie bestimmen, auf welchem MIDI-Kanal die MPC1000 mit anderen Geräten empfangsseitig kommunizieren soll und die Synchronisation des Sequenzers von außen erfolgen lassen.

Fazit

Auch das kleine MIDI Production Center ist eine echte MPC und wird sicher einen großen Anwenderkreis ansprechen. Die Handhabung ist ebenso schnörkellos wie der Funktionsumfang. In der Praxis erweist sich letzteres eher als Vorteil, denn ein Gerät, mit dem man sehr schnell und effektiv arbeiten kann, ist oft viel mehr wert, als ein riesiges Funktionsangebot, das den Blick vom Wesentlichen ablenkt. Die Sample-Editierung bleibt trotzdem lückenhaft, vor allem Time-Stretching vermisst man hier. Akai Professional macht jedoch darauf aufmerksam, dass neben der Zeitkorrektur von Samples auch weitere Funktionen für zukünftige Updates geplant seien. Hoffen wir, dass davon auch die zurzeit wenig zeitgemäße Echtzeit- Manipulation der Klangparameter profitieren wird. Schade, dass man mit den beiden Q-Slider keine Filter-Sweeps oder Scratch- Effekte performen kann.

Auf der anderen Seite kann die MPC1000 mit sehr guten Klangeigenschaften, robuster Verarbeitung und dem tighten MIDI-Sequenzer überzeugen. Mit insgesamt sechs Audio-Ausgängen und zwei MIDI-Ports ist die MPC1000 ein grundsolides Instrument, das das zentrale Element umfangreicher MIDI-Setups bilden kann – eine ideale Maschine für Live-Elektroniker, die zur weiteren Klangbearbeitung ohnehin spezielle Effekte, Filterboxen und dergleichen anwenden. Live-Keyboarder oder Drummer, die einen zuverlässigen Hardware- Sequenzer suchen, sollten sich die MPC1000 näher anschauen.


Profil

Konzept:

Stereo-Sampler plus Pattern-orientierter MIDI-Sequenzer

Klangerzeugung:

32fach polyphon, 16 Bit, 44,1 kHz, max. 128 MB RAM (16 MB ab Werk), 5 MB Flash-Speicher installiert)

Sequenzer:

100.000 Noten, 64 Spuren (intern/MIDI), 99 Sequenzen, 20 Songs SMF 0/1

Effekte:

2 Sektionen plus Mastering-Effekt

Hersteller/Vertrieb:

Akai Professional / N.O.S.E.

UvP. / Straßenpreis:

€ 1.077,– / ca. € 949,–

Tasche: € 69,–


+ transparenter und druckvoller Sound

+ tighter 64-Spur-Sequenzer

+ 2 MIDI-Ports

+ einfach Handhabung

+ robuste Verarbeitung

rudimentäre Sample-Editierung

kein Echtzeit-Handling von Filtern oder Effekten

magere Effekt-Ausstattung

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Ihr Keyboards Schreiberlinge euch ist ein fehler unterlaufen die MPC ist ein kürzel und heisst nicht MIDI Produktions Center sondern Music Produktions Center!

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    1. Der Artikel ist wohl schon 100 Jahre alt. Damals hieß MPC noch MIDI Production Center. Heute wohl Music Production Center. Wieso und wann die Änderung kam weiss ich auch nicht…
      MfG

      Auf diesen Kommentar antworten
  2. Klugscheißen will gelernt sein, auch in fremden Sprachen. Deshalb:
    Music Production Center
    😉

    Auf diesen Kommentar antworten

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