Spieltechnik für Einsteiger Teil 2

Lagenwechsel und Arpeggien

In diesem Workshop kommen übungstechnische Aspekte zur Sprache, die insbesondere zur Vervollkommnung eines ökonomischen und sicheren Klavierspiels bei Lagenwechsel und Arpeggien dienlich sind. In gewisser Weise die Story vom Hasen und Igel.

Notenblatt

Anpassende Bewegungen

… nennt man das frühzeitige Positionieren der Hand, um einen Akkord, eine Figur oder eine Passage entspannt und vor allem sicher ausführen zu können. „Na logisch!“, mag jetzt so mancher sagen. Okay, aber Reden und Tun sind bekanntlich zweierlei. Selbst Laufen will gelernt sein, nämlich rechtzeitig den einen Fuß vor den anderen zu setzen. Rechtzeitig!

Sonst würden wir mal eben vornüber auf die Nase fallen. Und beim Klavierspielen kommt erschwerend hinzu, dass der Weg, den unsere zwei Hände zu begehen haben, permanent ein anderer ist. Von daher ist eine genauere Betrachtung gewisser Bewegungsabläufe aller Mühe wert und sicherlich eine nachhaltig lohnende Erkenntnis. In Beispiel 1 wird der C-Dur-Dreiklang zweifach nach oben und wieder zurück oktaviert. Anhand dieses simplen Beispiels lässt sich das Prinzip der anpassenden Bewegung am leichtesten erklären und auch üben.

Drei Schritte sind zu vollführen, und zwar genau in dieser Reihenfolge: 1. Akkord anvisieren 2. Hand über Akkord positionieren 3. Anschlagen Man könnte den Ablauf auch in Zählzeiten aufteilen: Auf 1 wird angeschlagen und gleichzeitig der nächste Akkord angeschaut, auf Zählzeit 3 oder 4 bewegt man die Hand über ihn, und auf die nächste 1 wird angeschlagen. Und alles beginnt von vorn. Das Wichtigste aber ist: Die Hand muss immer schon vorher da sein (daher Hase und Igel). Also niemals von der Seite in den Akkord greifen, was als Folge des Nicht-vorbereitet-Seins nur zu falschen Tönen führt und zusätzlich für unnötige Verspannung sorgt.

War dies in Beispiel 1 noch nicht zwingend einsehbar, so wird dies, glaube ich, in Beispiel 2 schon etwas ersichtlicher. Hier werden die Umkehrungen des C-Dur-Dreiklangs einmal in enger Lage und in Takt 2 in jeweils einer Oktave Abstand gefordert. Ich denke, speziell in Takt 2 werden die Vorteile der anpassenden Bewegungen mit der damit verbundenen Griffsicherung recht deutlich. Führt man dies gemäß den o. g. drei Schritten durch, ist eine optimale Umsetzung gewährleistet, und zwar in nahezu jedem Tempo.

Arpeggien

… sind Akkordbrechungen, die sowohl mit einer Hand alleine als auch mit beiden Händen vollführt werden können. Sie basieren zumeist auf demselben Muster der Akkord-Oktavierung/ Umkehrung wie in den vorigen Beispielen und bedürfen infolgedessen einer ähnlichen Bewegungs- bzw. Griffsanpassung und fließenden Ausführung. Beispiel 3 beinhaltet C-Dur-Umkehrungen in triolischen Arpeggien, die äußerst rund und geschmeidig gespielt werden sollten.

Das Handgelenk spielt dabei die entscheidende Rolle und darf in seiner Auf/Abwärtsbewegung im Wechselspiel beider Hände niemals zum Stillstand geraten. Im Idealfall hört man nicht die „Arbeitsteilung“ der Hände, vielmehr sollte ein auf dem Klavier gespieltes Arpeggio einen einheitlich aufgerollten weichen Sound gleich einer Harfe erzeugen. Rollt man, wie in unserem Beispiel 4, die jeweilige Figur im Handgelenk nach oben ab, ergibt sich die anpassende Bewegung fast von selbst. Ist die linke Hand fertig, übernimmt die rechte auf dieselbe Weise, währenddessen die linke wiederum in Position geht, um gleichsam der rechten den geschmeidigen Anpassungsweg ihrerseits zu überlassen – and so on.

Piano Übungen

Links, rechts, links, rechts – nahtlos geschmeidig aneinander, als würde man in Teig rühren. Das ist das perfekte Arpeggio. Im Beispiel 5 macht es Sinn, die vier Akkordtöne der jeweiligen Hand zunächst zusammenzufassen und als Akkorde (erst links, dann rechts) hintereinander zu spielen. Das verschafft den notwendigen Überblick für die voneinander unabhängige Bewegungsanpassung. Erst dann sollten Sie versuchen, den Text original zu spielen, um zu spüren und zu sehen, wie unabhängig sich beide Hände voneinander entfernen bzw. zusammenrücken. Und das, wie gesagt, so geschmeidig wie möglich. Im Übrigen sollten Sie versuchen, ähnliche Beispiele innerhalb Ihres Repertoires ausfindig zu machen bzw. Neues in der Art zu kreieren.

Viel Spaß beim Üben oder auch Teig rühren. Bis demnächst!


 

>> Hier findest du noch einmal die 5 häufigsten Unarten beim Klaiverspielen und -lernen und gleichzeitig Tipps wie du ihnen vorbeugst. Für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen lesenswert. <<

hand-klavier
Florian Huber

 

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