Einsteiger-Keyboards und Profi-Instrumente

Keyboard kaufen leichtgemacht mit dem Keyboard-Guide

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Wer heutzutage mit dem Gedanken spielt sich ein Portable Keyboard zu kaufen, stößt besonders im unteren bis mittleren Preisbereich auf eine große Fülle an Modellen. Unser Ratgeber zeigt auf, worauf du bei der Kaufentscheidung für ein Instrument auf jeden Fall achten solltest. Zudem wird definiert, worin sich Keyboards in unterschiedlichen Preislagen voneinander unterscheiden.

Warum ein Keyboard kaufen?

Klavier-Etüden zu üben erscheint dir eher langweilig? Du möchtest Keyboard spielen lernen, aber vielleicht erst mal ohne eine Band? Songs zu covern, würde dir Spaß machen. Oder aber du kannst dir jetzt schon vorstellen, vor Verwandten und Bekannten, vielleicht sogar auf Festen oder Partys vor Wildfremden aufzutreten?

Die Gründe dafür, zum Keyboard zu greifen, sind vielfältig. Und Lehrer, die sich nicht nur mit Akkorden, Licks und Instrumentierung, sondern auch mit einer Begleitautomatik auskennen, gibt es zum Glück viele. Selbst die Musikschulen haben das sogenannte Portable Keyboard als Alternative zum Klavier im pädagogischen Angebot.

Ein Portable Keyboard bietet dir die Möglichkeit, mit dem Akkordspiel der linken Hand ein ansonsten automatisch ablaufendes Arrangement (Style) aus Schlagzeug, Bass und Begleitklängen wie Gitarre, Streicher, Bläser und andere harmonisch zu steuern. Gleichzeitig spielst du dazu mit der rechten Hand Melodien oder Solo-Parts mit den Tastatur-Sounds. Dank weiterer Arrangement-Elemente wie auf Knopfdruck abrufbarer Einleitungen (Intros) und Schlussparts (Endings) macht dich ein Portable Keyboard schnell zum Alleinunterhalter. Weder gewöhnliche Digitalpianos noch Synthesizer bieten dir diese Möglichkeiten. Und belächeln zu lassen brauchst du dich auch nicht: Denn neben den zu entwickelnden spielerischen Fähigkeiten ist es am Portable Keyboard genauso wichtig, den Umgang mit der Begleitautomatik zu erlernen.

Das sollte dein Keyboard mindestens bieten

Überzeugt? Dann fehlt dir noch das passende Instrument. Auf drei Dinge solltest du unbedingt achten: Auf alle Fälle solltest du auch bei einem schmalen Budget ein Keyboard kaufen, an dem dir nicht so schnell die Lust vergeht. So ein Instrument sollte mindestens 61 (normalgroße) Standard-Tasten, eine Anschlagsdynamik (Töne reagieren von leise bis laut auf die Kraft deines Anschlags) und sogenannte Registration-Speicher besitzen: Damit kannst du Klänge deiner Wahl zusammen mit einem Begleitarrangement (Style) abspeichern, um diese Konfiguration später auf Knopfdruck wieder verfügbar zu haben.

Schade nur, dass dich auch diese drei Kriterien heute nicht mehr allzu weit bringen: Keyboards, die ihnen entsprechen, gibt es nämlich zu Preisen von ca. 350 bis etwa 5000 Euro – eher wenige Modelle fallen damit nicht in diese Gruppe. Was du aber generell noch wissen solltest, um Portable Keyboards der Einsteiger-, Mittel- und Oberklasse voneinander unterscheiden zu können, liest du auf den nächsten Seiten unseres Keyboard-Guides.

Ein Tipp noch für Fortgeschrittene: Wem das Spielen auf Tasteninstrumenten nicht fremd ist, der sollte gesteigerten Wert auf die Qualität der Tastatur legen. Niemand sollte ein Keyboard kaufen, dessen Spielgefühl ihn schon von Anfang an nicht recht überzeugt. Instrumente auch aus unterschiedlichen Preisklassen einmal im Fachhandel angespielt zu haben, schränkt die individuelle Auswahl der in Frage kommenden Modelle nochmals deutlich ein.

Instrumente für den Einstieg: Loslegen und Spaß haben

In der Einsteiger- und auch noch in der Mittelklasse hat man es durchgehend mit Instrumenten zu tun, die eingebaute Lautsprecher und Verstärker besitzen. Als Home Keyboards sind sie vorrangig für die Verwendung ohne externes Equipment (Verstärker, Boxen, Mischpult) gedacht.

Seit langem liefern sich die japanischen Hersteller Casio und Yamaha regelrechte Preiskämpfe bei den Einsteiger-Keyboards. So haben beide Hersteller Instrumente im Angebot, die bereits für rund 200 Euro eine anschlagdynamische Tastatur bieten. Doch für das typische Beherrschen eines Portable Keyboards ebenso unverzichtbar sind unserer Meinung nach Registration-Speicher: Damit ordnest du die Keyboard-Sounds, die du live spielen willst, in Split- (z. B. links Bass, rechts Piano) oder Layer-Settings (z. B. Piano/Strings übereinandergelegt) einem bestimmten Style zu und sicherst diese Konfiguration auf einem solchen Speicherplatz; anschließend kannst du die komplette Registrierung auf Knopfdruck wieder abrufen. Registrations für eine möglichst große Zahl von Stücken aus unterschiedlichsten musikalischen Richtungen schnell parat zu haben, macht gerade den Charme eines Portable Keyboards aus. Für ein entsprechend ausgestattetes Instrument sind mindestens rund 350 Euro einzuplanen.

In der Preisklasse zwischen 300 und 400 Euro kommen zum Beispiel das Casio CTK-6250 (48 Stimmen) der das Yamaha PSR-E443 (32 Stimmen) in Frage. Beide 61-Tasten-Keyboards mit Anschlagdynamik bieten neben jeweils hunderten von Sounds und Styles (bei Casio: Rhythms) auch 32 Registrations an. An preiswerteren Modellen ohne Registrierungsspeicher gehen entsprechend vorgenommene Einstellungen nach jedem Ausschalten wieder verloren oder höchstens die zuletzt vorgenommene bleibt noch erhalten.

Am CTK-6250 und PSR-E443 kannst du außerdem gleichzeitig splitten und layern; demzufolge gibt es drei Tastatur-Sounds (Lower, Upper 1 und 2). Auch das bieten deutlich günstigere Keyboards nicht. Darüber hinaus besitzen unsere beiden Preis-Leistungs-Tipps jeweils Funktionen wie einen Recorder, einen MIDI-File-Player oder eine Musikdatenbank mit Preset-Registrierungen für viele bekannte Songs an – Features, die in der nächsthöheren Instrumentenklasse noch deutlich mehr zum Tragen kommen, in die du so aber schon mal „hineinschnuppern“ kannst.

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Machen mehr Spaß dank Registrations: Casio CTK-6250 und Yamaha PSR-E443.

Sowohl Casio als auch Yamaha haben außerdem bereits in der Einsteigerklasse Keyboards mit 76 Tasten am Start: Gedacht sind sie für eine Klavier-ähnlichere Spielweise – den erheblich mehr Klavierstücke lassen sich durch den erweiterten Tastenumfang spielen, wenn auch keine gewichteten Tastaturen wie an Digitalpianos geboten werden. Casios 76er Modelle findest du in der WK-Serie. Auch hier gibt es jeweils die volle Portable-Keyboard-Funktionalität der CTK-Keyboards mit verlängerter Tastatur. Die Aufpreise zu den CTKs fallen moderat aus.

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Casios WK-Serie, hier das WK-7600, bietet volle CTK-Funktionalität in 76 Tasten-Modellen.

Yamaha wiederum bietet innerhalb der 76er-Keyboard-Serie Piaggero zwei Modelle (NP-V60/80) mit Begleitautomatik und Registrations an, die es technisch mit dem PSR-E443 aufnehmen können und dabei preislich im Rahmen bleiben.

Im 500-Euro-Bereich kommt ein weiterer bekannter japanischer Hersteller ins Spiel: Das 61-tastige Roland BK-3 ist ein echter Preisbrecher, bietet es doch eine Funktionsausstattung, die man sonst nur in der Keyboard-Mittelklasse findet. Es besitzt erheblich mehr Sounds und Registrations (hier: Performances), programmierbare Effekte und vor allem eine viel höhere Polyfonie (128 Stimmen) als andere Low-Budget-Keyboards; auch wenn man also auf dem BK-3 einen Pianoklang mit Haltepedal spielt, wird in der Regel kein Ton abgeschnitten.

Roland-BK3
Preisbrecher mit vielen Mittelklasse-Features: das Roland BK-3

Die Begleitautomatik bedient professionelle Ansprüche, denn jeder Style liegt in vier Variations vor: Von der ersten bis zur vierten Variation steigert sich die klangliche Dichte des Arrangements, meist durch hinzukommende Sounds oder andere rhythmische Figuren. An preiswerteren Einsteiger-Keyboards gibt es dagegen nur zwei Variations (meist „Normal“ und „Variation“ genannt). Entsprechend gibt es an den teureren Instrumenten auch mehr Intros (Einleitungen eines Styles), Fills (Überleitungen von einer Variation zur nächsten, hauptsächlich Schlagzeug) und Endings (Schlussphrasen) als an den Keyboards unter 500 Euro.

Besonderheit des BK-3 ist ein eingebauter Player für Audio-Playbacks in den MP3- und WAV-Formaten, mit dem sich vieles anstellen lässt – insbesondere live zu einem Song zu spielen, inklusive Tempo-Regelung und Transponierung. Sogar aufnehmen kannst du dein Spiel im WAV-Format (auf einem USB-Stick).

Ebenfalls ein Übergangsmodell in Richtung Mittelklasse stellt das Korg Pa300 (um 700 Euro) dar. Es bietet 128 Stimmen, fast 1000 Sounds und über 300 Styles; hinzu kommen jeweils hunderte von User-Speichern für weitere Klänge und Arrangements sowie Registrations (hier: Performances). Programmierbare Effekte, ein umfangreicher MIDI-Sequenzer, ein MP3-Player und eine professionell ausgestattete Begleitautomatik sind ebenfalls an Bord. Nebenbei bemerkt: Der japanische Hersteller lässt seine Pa-Serie übrigens in Italien entwickeln – und auch Korg Deutschland ist, für die „Musikant“-Lokalisierungen, involviert.

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Schon das Beinahe-Mittelklassen-Modell Korg Pa300 ist eine regelrechte Workstation.

Warum ein teureres Keyboard kaufen?

Rolands BK-3 und Korgs Pa300 sind praktisch jeweils in Hardware und Funktionen leicht reduzierte Varianten echter Mittelklasse-Keyboards – des Roland BK-5 bzw. des Korg Pa600; als solche heben sie sich deutlich von anderen Einsteiger-Keyboards ab.

Doch wenn du einmal einen Blick auf die technischen Daten dieser Übergangsmodelle wirfst, fragst du dich unweigerlich, was die teureren Keyboards eigentlich überhaupt noch besser können sollen. Denn bereits hier hast du es mit Workstations zu tun, die dir toll ausgestattete Begleitautomatiken, MIDI-Sequenzer, Audio-Player und kaum auszuschöpfende Editier-Möglichkeiten bieten.

Betrachte daher ein Keyboard einfach mal als das, was es ist: ein Instrument. Als Faustregel gilt: Für ein höheres Budget gibt es stets bessere Tastaturen, die sich ausdrucksstärker spielen lassen als die der Low-Budget-Modelle – daher solltest du verschiedene für dich in Frage kommende Modelle unbedingt selbst anspielen. Die Qualität der eingebauten Lautsprecher und Verstärker steigt ebenso mit zunehmendem Gerätepreis. Und auch eine bessere Verarbeitung sowie mehr Anschlussmöglichkeiten darfst du erwarten, wenn du dich in einer preislich höheren Instrumenten-Klasse umsiehst.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist der Bedienkomfort: Durch leistungsfähigere Displays mit durchsichtigerer Menüführung sowie auch durch zusätzliche Hardware-Taster gewinnt das komplette Handling. Aber wenn für ein möglichst schmales Budget allein der Rotstift regieren muss, wird eben auch an solch an sich wichtigen Bedienelementen sowie an Live-Controllern (Wheels, Buttons, Regler etc.) gespart, die an Mittel- und Oberklasse-Keyboards entspanntes Schalten garantieren.

Die Mittelklasse – Arranger-Workstations für Ambitionierte

Wenn du mehr willst, greife am besten gleich zu einem Portable Keyboard der Mittelklasse, welche sich im weiten Preisbereich zwischen 700 und 2500 Euro ansiedeln lässt. Die Abgrenzung solcher Instrumente zu den Einsteiger-Keyboards fällt recht deutlich aus:

Die Sounds haben eine bessere Klangqualität (bedingt durch größere Sample-ROM-Speicher), außerdem gibt es zumeist eine Reihe programmierbarer Effekte; die Styles bieten detailreichere, dichtere Arrangements. Die Polyfonie liegt meistens bei 128 Stimmen. Registration-Speicher sind in wesentlich höherer Anzahl vorhanden und lassen sich frei benennen (z. B. „Your Song“ anstatt Nummer „32“ wie am Preiswert-Modell). Mindestens drei, oft schon vier Tastatur-Sounds kannst du gleichzeitig (im Split und Layer) spielen. Für den Anschluss an eine externe Verstärkeranlage gibt es Stereo-Ausgänge im Standard-Klinkenformat – was das Instrument „bühnentauglicher“ macht (Einsteiger-Keyboards kann man nur über den Kopfhörerausgang extern verstärken).

Die Begleitautomatik wird normalerweise um vier Multi-Pads ergänzt, über die du zusätzliche, synchron laufende MIDI-Loops von Percussion- und Instrumental-Phrasen (Gitarren-Riffs, Bläsersätze etc.) aktivieren kannst. Auf den Displays der Mittelklasse-Instrumente kannst du dir auch Song-Texte anzeigen lassen, damit du Karaoke-mäßig am Ball bleibst; ein Video-Ausgang, den aber nur einige Keyboards der oberen Mittelklasse anbieten, macht die Lyrics-Ausgabe auf einem externen Monitor oder einem TV-Gerät möglich. Darüber hinaus bietet die Mittelklasse gegenüber Einsteigerinstrumenten zumeist mehr Controller, mit denen du Sounds und Styles live beeinflussen kannst.

Viel Auswahl in unterer und oberer Mittelklasse

Gemäß unseren Erwartungen an ein Mittelklasse-Keyboard markiert aktuell das Yamaha PSR-S670 (um 700 Euro) den preiswertesten Einstieg in diese Klasse. Es erfüllt nicht nur alle genannten Ausstattungs-Features, sondern kann darüber hinaus noch mit Player/Rekorder-Funktionen (MIDI, WAV) sowie einer Arpeggio-Funktion punkten. Das Konzept der Registration-Speicher ist gut durchdacht, denn ihre Anzahl ist nicht fest vorgegeben, sondern durch einen internen Speicher begrenzt – der beim S670 mit 2 MB allerdings etwas klein ausfällt. Auch die MIDI-Buchsen wurden eingespart. Trotz nur monochromem, etwas schwach auflösendem Display ist die Bedienung an sich gut gelöst.

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Der Einstieg in die Mittelklasse gelingt mit dem Yamaha PSR-S670

Diese Schwächen macht das nächsthöhere Yamaha-Modell PSR-S770 (ca. 1100 Euro) mit seinem 7-Zoll-Farb-TFT vergessen. Es bietet außerdem gegenüber dem S670 über 400 zusätzliche Klänge und Effekte, viele davon aus Yamahas Oberklassen-Serie Tyros (5. Generation). Der Audio-Player erlaubt die Transponierung und die Temporegelung auch der WAV-Songs. Sein Soundsystem hat etwas mehr Power, und auch an einen Eingang für ein Mikrofon- oder ein Gitarrensignal, das mit den internen Effekten versehen wieder ausgegeben werden kann, wurde gedacht.

Die obere Mittelklasse besetzt das Yamaha PSR-S970 (ca. 1900 Euro). Neben weiteren handverlesenen Sounds und Effekten vom Tyros 5 besitzt es einen Stimmenprozessor (Vocal Harmony), der ein Gesangssignal mit digital erzeugten Chorstimmen bereichert (harmonisch passend zu den gespielten Akkorden). Weitere Spezialität sind 40 Audio-Styles – Arrangements, die Audio-Aufnahmen von Schlagzeug- und Percussion-Spiel enthalten; das sorgt für einen etwas anderen, realistischeren Klangeindruck als er durch die gängigen MIDI-Drum-Spuren erreicht wird.

Alle drei Yamaha-Mittelklassen-Keyboards sind darüber hinaus mit einem Expansion-Speicher für zusätzliche Sample-Sounds, die Yamaha optional anbietet, ausgestattet (S670: 32 MB; S770: 160 MB; S970: 512 MB). Spezialität des S770 und S970 sind ferner einige besonders aufwendig gesampelte „Super Articulation“-Sounds aus Yamahas Oberklasse.

Yamaha-PSR-S970
Ab dem PSR-S970 bietet Yamaha einen integrierten Harmonizer und Audio-Styles

Roland hat in der unteren Mittelklasse das BK-5 (um 800 Euro) platziert, das sich in den entscheidenden Punkten (Anschlüsse, drei Tastatur-Parts, besseres Soundsystem etc.) vom BK-3 absetzt. Neben dem nochmals professionelleren 76-Taster BK-9 (um 1500 Euro), der als derzeitiges Roland-Flaggschiff noch mehr Sounds (über 1700) und Styles (540) sowie eine eingebaute Zugriegel-Orgel besitzt, ist das jüngere E-A7 mit 61 Tasten (ca. 1200 Euro) erhältlich: Neben ähnlich vielen Sounds und Styles, die einen Schwerpunkt unter anderem auf den Bereich Worldmusic setzen, besitzt es einen 128 MB großen Sample-Speicher für den WAV-Import und hat sogar eine Sampling-Funktion an Bord; auch an einige Multifunktionspads, über die du solche User-Samples abrufst, ist gedacht worden.

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Der 76-Taster BK-9 ist derzeit Rolands Flaggschiff.

Spezialität aller Roland-Keyboards ist die Möglichkeit, Registrations (hier: Performances oder User Programs) direkt von einem USB-Stick abrufen zu können. Dadurch dürfte man also kaum in die Situation kommen, zu wenige Registrierungen zur Verfügung zu haben.

Spannend macht es zurzeit Casio: Erstmals rückt der Hersteller mit den neuen, auf der diesjährigen Winter-NAMM-Show präsentierten Keyboards MZ-X300 (UVP: 799 Euro) und X500 (999 Euro) in die Mittelklasse vor. Neben einer Touchscreen-Bedienung, bis zu 900 bzw. 1100 Sounds und jeweils hunderten Styles sind 16 Multi-Pads an Bord, über die sich nicht nur Samples ansteuern lassen, sondern die auch die Akkordsteuerung der Begleitautomatik übernehmen können.

Eine umfangreich ausgestattete Entertainer-Workstation mit kompletter Synthesizer-Programmierung ist bereits das Korg Pa600 (ca. 1200 Euro). Korgs Spezialität schon in der Mittelklasse ist das sogenannte Songbook, das über die Funktionen der auch an anderen Keyboards üblichen „Musikdatenbanken“ mit Song-orientierten Registrierungen weit hinausgeht: In jedem Songbook-Speicherplatz kannst du nämlich nahezu sämtliche Sound- und Effekt-, Style- und Begleitautomatik-, Song- und Controller-Einstellungen festhalten. Ein Songbook-Eintrag geht noch über die Möglichkeit einer Registrierung hinaus; vielmehr wird bei Korg umgekehrt die Registrierung zu einem von vielen Bestandteilen eines Songbook-Eintrags. „Limitiert“ ist die Anzahl der Einträge nur durch die Vierstelligkeit des Systems – 9999 Speicherplätze sind möglich! Durch zahlreiche User-Speicherplätze auch bei Sounds und Styles kann letztlich eine Maximalausstattung mit über 1000 Arrangements und noch deutlich mehr Klängen erreicht werden. Sehr schön: Korg verzichtet schon ab dem Pa600 auf eine externe Netzteillösung; in dieser Preisklasse eher die Ausnahme. Der Anschluss über ein Kaltgerätekabel (bei eingebautem Netzteil) ist eine wesentlich stabilere Angelegenheit, besonders, wenn du das Instrument öfter an verschiedenen Orten (Proberaum, Bühne) verwenden willst.

Korg-Pa-600
Ziemlich komplett ausgestattet zum vergleichsweise günstigen Preis: Korg Pa600.

Einzigartig in dieser Klasse ist die für unter 200 Euro erhältliche „Musikant“-Erweiterung für das Pa600: Via SD-Card erhält man eine Menge Sounds, Styles und Registrations speziell für die Darbietung von Musik aus dem deutschsprachigen Raum (der Fokus liegt hier auf Schlager und Volksmusik).

In der oberen Mittelklasse spielt das Korg Pa900 (ca. 2000 Euro) mit. Dem kleineren Bruder hat es neben einer besseren Verarbeitung und Tastatur (halb gewichtet, Aftertouch) sowie kräftigerer Verstärkeranlage ein Sample-RAM (192 MB), einen dreistimmigen Vocal-Prozessor (TC Helicon), einen leistungsfähigeren Doppelsequenzer für Songs (MIDI und MP3) sowie mehr Anschlussmöglichkeiten (Video-Ausgang, Mikrofon-Eingang) voraus. Natürlich gibt es dazu diverse ausgewählte, aus Korgs Oberklasse (Pa3X) stammende Sounds und Styles, mit denen das Pa600 nicht aufwartet. Korg folgt bei der Ausstattung seiner Pa-Modelle also einer ganz ähnlichen Philosophie wie Yamaha bei den PSR-S-Keyboards. Eine „Musikant-Card“ gibt es auch für das Pa900 optional.

Korg-Pa-900
Features wie Aftertouch, Doppelsequenzer und Harmonizer stammen aus der Oberklasse, doch zugleich besitzt das Korg Pa900 auch ein eingebautes Soundsystem.

Fast schon wie ein Top-Modell

Eine Art Übergangsmodell zur Oberklasse stellt schließlich das Korg Pa3X Le (zurzeit um 2000 Euro) dar. Es bietet fast die gleiche Klangerzeugung wie Korgs ehemaliges Top-Modell Pa3X an und besitzt viele weitere Profi-Features: So ist seine 76er Tastatur leicht gewichtet und mit Aftertouch versehen; ein Soundsystem – das gleiche wie für Pa3X und Pa4X – ist optional erhältlich. Von der hauseigenen Oberklasse unterscheidet es sich in nur wenigen Punkten: Es besitzt keine Einzelausgänge (nur einen normalen Stereo-Ausgang), eine etwas reduzierte Ausstattung an Effekten und benutzt wie Pa600 und 900 als Massenspeicher SD-Cards anstelle einer bei Top-Modellen üblichen Festplatte. Per Card ist auch hier eine „Musikant“-Erweiterung nachrüstbar.

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Das Korg Pa3X LE hat seinen Sound aus der Oberklasse.

Ebenfalls „mit einem Bein“ in der Oberklasse steht das Ketron SD7 (ab 2.700 Euro). Neben einer 61er Tastatur mit Aftertouch und einem 7-Zoll-Touch-Display für den Bedienkomfort setzt der italienische Hersteller auf integrierte Lautsprecher mit On/Off-Schalter. Als erster Hersteller überhaupt setzte Ketron Audio-Spuren in den Drum-Tacks der Styles seiner Keyboards ein; daher finden sich live eingespielte und gesampelte Schlagzeug-Loops auch in den SD7-Arrangements. Neben diversen Werkzeugen zur Sound- und Style-Bearbeitung gibt es gleich zwei Song-Player an Bord, die sich neben MIDI-Files auf MP3- und WAV-Wiedergabe verstehen. Auch Audio- und MIDI-Recording-Funktionen werden geboten. Einzelausgänge fehlen auch dem SD7, aber immerhin kannst du den Kopfhörerausgang zur Drum-Click-Ausgabe benutzen. Das externe Netzteil hätte angesichts des Preises nicht sein müssen.

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Hat Audio-Styles und einen umfangreichen Song-Player an Bord: das Ketron SD7.

Ein sehr ungewöhnliches Keyboard der Mittelklasse ist das lautsprecherlose Wersi Pegasus Wing V2 (ab ca. 2450 Euro). Größte Besonderheit dieses deutschen 76-Tasters sind das Windows-basierte Betriebssystem auf seiner eingebauten Festplatte (32 oder 64 GB SSD), sein 10-Zoll-TFT-Touch-Display und seine Organisten ansprechenden echten Zugriegel-Gruppen, die man sonst in dieser Form nur an Combo-Orgeln findet. MIDI- und Audio-Songs (MP3 und WAV) kannst du am Wersi sowohl aufzeichnen wie natürlich auch abspielen. Wersi bietet optional diverse Sound- und Style-Erweiterungen für das Pegasus Wing an.

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Das Wersi Pegasus Wing V2 mit 76 Tasten und echten Zugriegeln ist für die Orgelfraktion gemacht.

Wenn der Oriental-Touch gefragt ist

Der Mittelklasse der Portable Keyboards sind auch die sogenannten Oriental Keyboards zuzuordnen. Sie unterscheiden sich von den Standard-Modellen vor allem durch eine andere Sound- und Style-Auswahl, die stärker auf die Musik aus dem Arabisch-sprachigen Raum ausgerichtet ist, sowie durch das Angebot weiterer Keyboard-Skalen, die die Stimmung orientalischer Instrumente berücksichtigen.

Das Roland BK-5 OR (schwer erhältlich, um 900 Euro) beispielsweise ist technisch gesehen ein normales BK-5, das jedoch einen Fokus auf Sounds und Styles zu Musik aus dem Mittleren Osten, der Türkei und Nordafrika legt. Außerdem bietet es eine spezielle Funktionstaster-Gruppe zum Bearbeiten und schnellen Aufrufen von Keyboard-Skalen, zum Beispiel für Vierteltonstimmungen aus der arabischen Musik. Weitere Beispiele für Oriental-Keyboards sind das Korg Pa600 QT (= „Quartertone“, ca. 1350 Euro) sowie das Yamaha PSR-A3000 (ca. 1600 Euro), das sich technisch gesehen zwischen dem PSR-S770 und dem S970 einordnen lässt.

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In der Oriental-Version besitzt Rolands BK5 spezielle Funktionstaster zum Aufrufen verschiedener Skalen – damit ist schnell auf Vierteltonstimmung umgestellt.

Instrumente der Oberklasse – besser, gibt‘s nicht!

Während sich Roland schon vor einigen Jahren aus der Keyboard-Oberklasse zurückgezogen hat und Casio nie für diese Preisklasse, die ab etwa 3500 Euro aufwärts startet, produziert hat, dominieren Yamaha und Korg diese Liga; dagegen hält einzig noch Konkurrent Ketron.

Sound- und Style-Qualität in der Top-Klasse sind schnell beschrieben: Schlicht das Beste, was der jeweilige Hersteller zu bieten hat. Mit diversen exklusiven Klängen und Arrangements sorgen Korg und Yamaha selbstredend dafür, dass sich ihre Oberklasse nochmals hörbar von den preiswerteren eigenen Modellen abhebt. Besonders definiert sich diese Liga allerdings auch durch folgende Merkmale:

Ein Oberklassen-Keyboard gehört auf die Bühne. Das setzt eine robuste Verarbeitung voraus. Externe Netzteile sind hier natürlich tabu, ebenso zu leichtgewichtige, womöglich stoßempfindliche Gehäuse. Besonderer Wert wird also auf die gesamte Hardware gelegt, was auch die Anschlüsse betrifft: Einzelausgänge sind hier Pflicht, denn beispielsweise Style-Parts und live gespielte Klänge getrennt aufs Mischpult zu schicken und extern weiter abmischen zu lassen, kann die Klangqualität on stage wie bei Studio-Aufnahmen nochmals steigern. Die Tastaturen müssen Aftertouch beherrschen und eine besonders dynamische Spielweise zulassen – denn die Top-Sounds reagieren sehr detailliert auf unterschiedliche Anschlagsstärken; auch deshalb statten die Hersteller die Instrumente dieser Klasse mit ihren zweifellos besten (Synth-)Manualen aus.

Korg und Yamaha bieten in ihren Top-Keyboards hervorragende Sounds von Naturinstrumenten an, die nicht nur in verschiedenen Anschlagsstärken, sondern auch in unterschiedlichen Spieltechniken gesampelt wurden. Daher gibt es programmierbare Buttons an diesen Keyboards, über die du die entsprechenden Samples antriggern kannst, um im Live-Spiel die gewünschten Spielweisen abzurufen und so zu imitieren (etwa Flageolet-Töne oder Slides bei Gitarren, Glissandi und Verzierungen bei Bläsern). Yamaha hat dieses Feature „Super Articulation Technologie“ genannt, bei Korg heißt es „Defined Nuance Control“. Entsprechend viel Wert legen diese Hersteller auf die üppige Controller-Ausstattung ihrer Oberklassen-Instrumente.

Große grafikfähige Displays und noch mehr Funktionsbuttons als in der Mittelklasse sorgen für nochmals gesteigerten Bedienkomfort. Wäre da nicht die Stange Geld, die ein solches Instrument kostet, könnte man die Top-Keyboards in bedientechnischer Hinsicht im Grunde auch Einsteigern empfehlen: An einem Top-Modell kommt man auf Anhieb zumeist besser zurecht als an einem Mittelklasse-Keyboard desselben Herstellers.

Durchgesetzt haben sich zusätzliche Bedienfelder für den integrierten Vokalprozessor (Harmonizer) und Schieberegler für die eingebaute digitale Orgelsimulation (digital Drawbars;) – beides gehört zur Pflichtausstattung eines Top-Keyboards. Als Massenspeicher werden grundsätzlich Festplatten eingesetzt, denn besonders für Audio-Aufnahmen oder -Playbacks, die sich am Instrument selbst erstellen oder auch vom PC oder USB-Stick ins Keyboard laden lassen, aber auch für Sounderweiterungen auf Sample-Basis wird viel Speicherplatz benötigt.

Lautsprecher/Verstärker-Systeme sind in Oberklassen-Modelle wegen der Bühnenausrichtung normalerweise nicht eingebaut, sondern nur optional als externe Hardware erhältlich. Außerdem hat sich durchgesetzt, dass der Keyboarder zwischen einer 61er und einer 76-Tasten-Version seines präferierten Instruments wählen kann.

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Die Nr.1 unter den Entertainer Workstations: Yamaha Tyros 5

Prinzip „alles vom Feinsten“

Der Ende 2013 erschienene Klassenprimus Yamaha Tyros 5 (ab 4000 Euro) vereint ein Wohnzimmer-kompatibles Äußeres mit jeder Menge Profi-Ausstattung, die auf der Bühne oder im Studio so gut wie keine Wünsche offenlässt. Über das 7,5-Zoll-TFT-Display mit seinen Multifunktionsbuttons sowie zahlreiche weitere Menü-Taster klappt die sehr gut durchdachte Bedienung auf intuitive Art.

Über 1300 Sounds plus 480 XG-Voices sowie über 500 Styles, darunter 40 Audio-Styles, werden geboten. Wie schon bei der PSR-Mittelklasse ist die Anzahl der Registrations nicht festgelegt und nur durch die Kapazität eines internen Speichers begrenzt. Als Massenspeicher gibt es eine 500-GB-Festplatte. Optional kann bis zu 1 GB Flash-ROM für Samples nachgerüstet werden, das auch in Verbindung mit diversen vom Hersteller selbst angebotenen Klangerweiterungen genutzt wird.

Zugunsten einer übersichtlicheren Menü-Struktur hat man sich bei Yamaha entschieden, weite Teile der komplexen Sound-Programmierung auf eine Software für PC und Mac auszulagern. Neben MIDI-Recording und Style-Erstellung mit On-Bord-Mitteln lässt das Top-Keyboard Audio-Aufnahmen im WAV-Format zu; der integrierte Audio-Player wiederum spielt zusätzlich MP3s ab.

Das ebenso erstklassige, aktuellere Korg Pa4X (ab 3500 Euro) setzt dagegen eigene Akzente mit einem Aluminium-verkleideten Gehäuse und der Bedienung über ein 7-Zoll-Touch-Display: Die Bedien-Routinen sind weniger stringent vorgeschrieben, sondern man gelangt meist auf mehrere Wege – über den Touchscreen oder Hardware-Menütaster – ans Ziel. Über 1800 Sounds und mehr als 500 Styles werden von einer Fülle weiterer User-Speicher flankiert.

An Registrierungen sind theoretisch über 10.000 möglich, weil Korg wie schon in der Mittelklasse das integrierte Songbook zusätzlich für diese Aufgabe einsetzt und mit entsprechenden erweiterten Funktionen ausgestattet hat. Das gepufferte Sample-RAM fällt mit 400 MB etwas klein aus. Audio-Songs erkennt das Top-Keyboard nur als MP3s – dafür gibt es aber gleich zwei Player/Recorder mit Überblend-Funktion (per Crossfader). Auch hier wird als Massenspeicher eine 500-GB-Festplatte eingesetzt.

Wie schon in der Pa-Mittelklasse üblich, gestattet das Pa4X Sound-, Style- und Songbearbeitung umfangreichster Art allein mit On-Bord-Mitteln; es ist die gegenwärtig umfangreichste Arranger-Workstation. Weitere Besonderheit ist die Kooperation mit den Partnern TC Helicon und Waves Audio für den integrierten Harmonizer bzw. spezielle Masterring-Effekte.

Anders als in der Korg-Mittelklasse üblich gibt es beim Top-Modell das Pa4X Musikant gleich als eigenständige Version des Keyboards zu kaufen. Es enthält zusätzliche Multisamples, auf die Soundprogramme, Styles und Registrations für Schlager und Volksmusik zurückgreifen.

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Das Pa4X ist Korgs umfangreichste Arranger-Workstation.

Daneben ist noch das seit 2010 gefertigte Ketron AUDYA mit 76 Tasten (ca. 3700 Euro) erhältlich; dessen 61er Version heißt AUDYA 5 (ca. 3300 Euro). Zu den Spezialitäten dieser Keyboards mit knapp 1000 Sounds und 570 Styles gehören die Audio-Styles mit ihren Live-Drum-Tracks und ein besonders leistungsfähiger eingebauter Multi-Player für WAVs, MP3s und MIDI-Files, der sich sogar auf die gleichzeitige Wiedergabe von bis zu sechs Songs verschiedener Formate versteht. Die Hardware ist noch einmal professioneller als beim Mittelklassemodell SD7.

Als Massenspeicher (ab Werk: 80 GB HDD) bietet Ketron mittlerweile optionale Umrüst-Kits mit schnellen SSD-Festplatten an.

Die AUDYA-Modelle legen auch einen besonderen Schwerpunkt auf die Akkordeon-Sounds. Diesen Ansatz hat Ketron weiter vorangetrieben, indem als drittes Modell das ausgefallene AUDYA 8 (um 6500 Euro) angeboten wird: Es besitzt anstelle einer Tastatur zwei Knopfgriff-Systeme.

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Mit dem 76-Taster AUDYA erweckte Ketron als erster Hersteller die Idee der Audio-Styles in Portable Keyboards zum Leben.
Ein Kommentar zu “Keyboard kaufen leichtgemacht mit dem Keyboard-Guide”
  1. Das PSR S670 von Yamaha hat keinesfalls ein leistungsschwächeres Lautsprechersystem als die 770 bzw. 970er Modelle. Im Genenteil: Dank des leistungsfähigeren Basreflexsystems möchte ich sogar behaupten, dass es besser klingt als die höheren Modelle. Außerdem besitzt das PSR 670 eine Tastatur mit wesentlich mehr Tastenhub, die sich vergleichsweise wesentlich dynamischer besser spielen lässt. Die Tastaturen der höheren Yamaha Modelle fallen da deutlich ab. Ein Schwachpunkt, der in den einschlägigen Testberichten gern übersehen wird. Auch muss man sagen, dass die Casio-Tastaturen der Einstiegsmodelle deutlich schlechter (schwammiger) sind als die Yamaha-Modelle, die dafür aber auch in dieser Klasse immer etwas teurer sind,

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