"Vintage-Interview"

Manfred Mann: Interview mit dem Wizard of Minimoog

Mannfred Mann Interview

Manfred Lubowitz, so Manns bürgerlicher Name, wurde 1940 in Südafrika geboren. 1962 gründete er zusammen mit seinem Freund Mike Hugg die Band Manfred Mann und stürmte die Charts mit Cover-Versionen der Songs Do Wah Diddy und Pretty Flamingo. 1969 löste sich die Gruppe auf, und bis 1971 schlug sich Manfred mit Werbe-Jingles durch, ehe mit Manfred Mann’s Earth Band wieder bessere Zeiten anbrachen.

Manfred Mann: Nach einer vierjährigen Unterbrechung formierte sich die Band 1988 erneut. Dass es in den letzten Jahren vielleicht etwas still um Manfred Mann geworden ist, betrifft lediglich die Veröffentlichung neuer Alben, denn ansonsten ist er vorwiegend live unterwegs. Ende 2004 erschien jedoch nach langer pause Manfred Manns Solo-Album „2006“ …

Es gab längere Zeit keine neues Album von dir. Was war der Grund dafür?

Manfred Mann: Es gab eigentlich für mich keine richtige Auszeit zwischen den Alben, da ich immer viel unterwegs bin, Auftritte habe oder meine Tochter in Australien besuche. Ich habe für „2006“ sehr lange gebraucht, weil ich mit vielen Songs anfangs nicht zufrieden war und länger an ihnen arbeiten musste.

Einige Songs des Albums sind nicht auf gewöhnliche Weise entstanden, sie wurden nicht geprobt, und alte Song-Strukturen wurden verworfen. Wir haben uns einfach treiben lassen. Die Stücke bestehen eigentlich nur aus einem langen Intro und Outro. Ich hatte mir ein paar Chords zurechtgelegt und eine ungefähre Vorstellung, in welche Richtung es gehen sollte.

Mit welchen Tools hast du gearbeitet?

Manfred Mann: Ich habe am Anfang der Produktion mit einem Techniker zusammen gearbeitet, der ausschließlich Cubase nutzt. Das war für mich eine völlig neue Arbeitsumgebung. Es kam dann immer zu Problemen, wenn es um die Synchronisation mit analogem Equipment kam. In Pro-Tools gibt es da relativ einfache Möglichkeiten, das richtig zu biegen. Später habe ich dann mit Leuten gearbeitet, die Logic verwenden. Ich habe mir vor kurzem ein Pro-Tools- System gekauft, in das ich mich gerade einarbeite. Meine Lust hält sich zwar in Grenzen, aber ich habe festgestellt, dass ich mich damit wohl auseinander setzen muss.

Wie sieht dein Studio ansonsten aus?

Manfred Mann: Ich habe gar kein Studio. Ich möchte auch ausdrücklich keins. Wenn ich könnte, würde ich zum Arrangieren ein altes MIDI-Atari-Setup benutzen. Das hat immer funktioniert, ist niemals abgestürzt und immer synchron gelaufen. Ich besitze ein wunderbares kleines Keyboard, ein Roland XP-10. Es hat einen sehr angenehmen Sound und gute Filter und steht in meinem Appartement in Frankreich und in London. Ich würde mit dem Keyboard zwar keinen Song aufnehmen, aber es ist einfach super, um Ideen festzuhalten.

Bei „Demons And Dragons“ hast du Unterstützung von Thomas D. (Die Fantastischen Vier) bekommen. Wie seid ihr zusammengekommen?

Manfred Mann: Ich wollte jemanden, der etwas auf Deutsch auf dem Album sagt. Es schien einfach eine interessante Sache zu werden. Ich habe also angefragt, ob er Lust hat, an einigen der Tracks mitzuwirken, worauf er mir eine Absage erteilte, da sein Vertrag bei „Die Fantastischen Vier“ es ihm verbieten würde. Ich habe ihm dann trotzdem die Tapes geschickt, weil ich mir gedacht habe, dass er einfach keine Lust hatte und mich für jemanden von gestern gehalten hat. Die Tracks müssen ihn dann wohl überrascht haben, und er hat schließlich doch Interesse gezeigt.

Seine Beteiligung bei „Independent Woman“ war zunächst gar nicht geplant, aber wir haben es einfach ausprobiert, und es hat gut funktioniert. Ich verstehe leider nur schlecht Deutsch, aber man hat mir gesagt, dass er sehr gute Texte geschrieben hat.


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In „Two Friends“ ist ein Gitarren- und ein Synth-Solo zu hören. Der Synth klingt dabei fast genauso wie eine Gitarre. Wie hast du den Sound gemacht?


Manfred Mann: Die Aggressivität des Sounds ist auf den Yamaha VL1 zurückzuführen, dessen Signal ich durch eine tolle Distortion-Box geführt habe, die ich erst vor kurzem entdeckt habe. Der Sound wird nur bei Chords und nicht bei einzelnen Noten verzerrt, und das auf eine sehr angenehme Art. Es ist der „Tube Bender“ von der ziemlich unbekannten Firma Dinosaural.

Welche Instrumente benutzt du auf der Bühne?

Manfred Mann: Ich bin gerade dabei, mein Setup umzustellen. Bislang habe ich auf der Bühne einen Korg Z1 und für meine Soli einen Minimoog Voyager benutzt. Außerdem spiele ich über die Tastatur des Z1 über MIDI einen Piano-Sound. Ich habe festgestellt, dass so gut wie alles funktioniert, wenn du ein paar Pianos im Hintergrund des Songs spielst. In Zukunft bin ich mit dem Roland V-Combo unterwegs. Es kann echt funky sein, wenn du damit richtig umgehst.

Deine Soli auf dem Minimoog sind legendär, und du hast mit dem Instrument einen ganz eigenen Stil entwickelt. Könntest du darauf verzichten?


Manfred Mann: Wichtig ist es vor allem, eine kräftige, harsche Wellenform als Ausgangsbasis zu haben, die man dann mit einer intuitiv zu handhabenden Klangbearbeitung formt. Ein gut klingendes und flexibles Filter reicht allein nicht aus, man muss es auch vernünftig „tweaken“ können. Nimm z. B. den Mutator – ein tolles Filter, das auch das Klangspektrum des Voyager noch mal erweitern kann. Die wichtigsten Controller dafür hätte ich am liebsten direkt neben Pitch- und Modulationsrad, um jeden Ton artikulieren zu können.

Gitarristen, Saxofonisten, Trompeter usw. haben es da besser – in ihren Instrumenten liegen vielseitige Möglichkeiten in der Klangformung, man muss nur lernen, sie aus den Instrumenten herauszukitzeln. Ebenso musst du nach Möglichkeiten suchen, einem elektronischen Sound etwas Lebhaftes und vor allem persönlichen Ausdruck zu geben. Ich spiele bei einem Solo nicht einfach nur die Tasten, sondern ändere ständig den Sound mit Filter, Attack, Decay usw.

Wie siehst du die Entwicklung der Synthesizer? Wo sind die großen Synthesizer, die die 80er und 90er geprägt haben?


Manfred Mann: Ich fand eigentlich schon immer, dass viel Mist heraus kam. Als ich in der digitalen Ära gesagt habe, dass mir die Kontrollmöglichkeiten fehlen, hielt man mich für altmodisch. In letzter Zeit kamen dann die Knöpfe wieder in Mode …

Hast du den Hartmann Neuron schon mal ausprobiert? Dieser Synthesizer ist ja mit Reglern übersät …


Manfred Mann: Ich finde, es ist ein fantastisches Instrument für Filmmusik und Sounddesign. Die Kontrollmöglichkeiten sind wundervoll. Für mich als Solisten waren allerdings die Sounds und Filter nicht hundertprozentig überzeugend.

Welche Tipps kannst du Newcomern geben?

Manfred Mann: Wenn du eine eigene Spieltechnik entwickelst, bist du einzigartig. Vertraue niemals nur auf Maschinen, denn dann klingst du wie jeder andere. Mache Musik nicht des Geldes wegen, wenn du nicht ständig pleite sein willst. Such dir einen Job und mach Musik wirklich nur als Hobby. Das Musik-Business ist einfach zu hart und schwierig geworden. Es scheint fast, als hätte das Fernsehen die Kontrolle übernommen.

Ich denke nicht, dass ich noch ein Rock/Pop-Album aufnehmen werde. Die Welt hat sich weiter gedreht, und ich habe nicht mehr eine so große Fan-Basis. Ich denke also, dass ich mich in Zukunft anderen Projekten widmen werde.

Vielen Dank!

 

3 Kommentare zu “Manfred Mann: Interview mit dem Wizard of Minimoog”
  1. Rolf-Dieter Lieb

    Hallo Leute,
    solche Interviews würde ich ja klasse finden in der Keyboards, aber irgendwie habt ihr ja ne menge gute Rubriken in den letzten Ausgaben sterben lassen. Allerdings scheint mancher Zeitbezug etwas seltsam – ist das wirklich ein neues Interview oder doch ein Reissue. Letzteres wäre ja nicht unbedingt schlecht, aber dann sollte man es zumindest auch kennzeichnen und nicht nur 3.9.2015 als Veröffentlichungsdatum des Webbeitrags drüber schreiben.

    Ich hoffe die Keyboards wird bald wieder in ihre beliebte und kompetente Spur zurückfinden und nicht auf der Sparversion der letzten Ausgaben reduziert bleiben!

    Antworten
  2. Rudolf Gajus

    Interview ist i.O. Lerne zu begreifen, wie ein guter Musiker tickt. Die Technik des Instruments
    kann noch so top sein – endscheidend ist immer der Spieler, wie er die Töne daraus herauszaubert…

    Antworten
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