Nachgefragt:

Interview mit dem Entwickler von Polyphylla (Ableton-Plugin)

Das vor kurzem getestete Ableton-Device “Polyphylla” soll einen einfachen und übersichtlichen Zugang zur additiven Synthese schaffen. Wir haben mit dem Entwickler über seine Erfahrungen und den Weg von der Planung bis hin zum finalen Plugin gesprochen.

 

ableton_polyphylla

 

1) Welche Idee steckt hinter Polyhpylla? Hast du das Programm für deine eigenen Zwecke und Projekte geschrieben, oder stand von Anfang an die Idee dahinter, “mehr” daraus zu machen?

Das Device erfüllt eigentlich zwei Aufgaben: ich habe es auf der einen Seite für mich geschrieben, da ich neue und unkonventionelle Wege gehen wollte, um Sounds zu genererien und auf der anderen Seite sollten Musiker, die etwas weniger technikversiert sind, die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Sounds zu erstellen – und das ohne großes Herumblättern in der Bedienungsanleitung. Ich wollte verhindern das einige Nutzer sagen: “Oh… ich habe die Anleitung schon vor einiger Zeit gelesen – ich kann mich aber an nichts mehr erinnern!”.

Ursprünglich war die Idee, den organischen, fast schon zufälligen Charakter von Fraktalen zu nutzen, um Sound zu generieren. In Naturtönen gibt es immer diese Kleinigkeiten, die sich nach und nach verändern und so lebendig und interessant wirken. Diese Eigenheit ist sehr schwer in die Welt der digitalen Synthesizer zu übertragen. Mit der herkömmlichen additiven Synthese zum Beispiel ist Soundmanipulation sehr aufwändig und mühevoll – meist müssen dabei hunderte Parameter individuell eingestellt werden.

Als ich weiter darüber nachgedacht habe, kam mir eben diese Idee, mit der sich die zahlreichen Soundanteile leichter beeinflussen lassen. Der Nutzer muss nun nur noch ein “Motion-Motiv” erstellen und die Fraktalalgorithmen sorgen für einen sehr abwechslungsreichen Sound.Was dabei heraus kommt kann subtil, organisch oder geradezu dramatisch abstrakt und wild sein.

Ein weiterer Aspekt bei Polyphylla ist die Visualisierung des Sounds. Der zugrundeliegende Konzept einzelner Parameter kann über diesen optischen Kanal intuitiver verstanden werden. Die Reaktion auf diesen Teil meine Plugins war für mich sehr überraschend – erste Tester waren begeistert zu sehen, was genau mit dem Sound passiert. Viele wurden dadurch inspiriert, auch mit weniger bekannten Parametern herumzuspielen.

 

Polyphylla_Oberfläche

 

2) Wie lange hat die Entwicklung gedauert? Und wie viele Menschen haben mitgewirkt?

Ich habe etwa 15 Monate vom Konzept bis zum finalen Programm gebraucht. Zuerst habe ich mit einigen Ideen herumexperimentiert. Mein Ziel war es, einen effektiven und visuellen Weg für das Manipulieren von Sounds zu finden. Nach ein paar Versuchen kam mir schließlich die Idee für Polyphylla. Da ich ja in Berlin lebe – eine statt voller kreativer Köpfe und Technikenthusiasten – habe ich viel Feedback von Menschen bekommen, die wirklich mit der Marterie zu tun haben. Chistian Kleine zum Beispiel, der Kopf hinter Max for Cats, hat mir einige wertvolle Tipps gegeben. aBe, eine echter Experte auf diesem Gebiet  zeigt sich für das grandiose Icon und das Coden der Animationen verantwortlich.

 

Polyphylla_Motion

 

3) Was ist dein musikalischer Background? Bist du in der elektronischen Musik zuhause?

Musik beschäftigt mich schon mein ganzes Leben lang. Mein erstes E-Piano, mit dem ich erste Gehversuche gewagt und musikalische Skizzen entworfen habe, hatte ich mit zehn Jahren. Später kamen noch Saiteninstrumente, DIY-Geräte und Musiksoftware dazu. Ich habe nicht nur an zahlreichen ungewöhnlichen Orten sondern auch auf der Straße Musik gemacht – des brachte mich auf einen sehr unkonventionellen Weg, Musik zu erfassen. Meine Stücke haben generell die Tendenz, dunkel, etwas technisch und atmosphärisch zu sein. Ich liebe volle Sounds, die die Fantasie anregen!

Ich habe außerdem etwa 5 Jahre lang als Softwareentwickler bei Ableton gearbeitet. Ich hatte dort viele kreative Menschen voller Ideen für Sounds und Musikprojekte um mich herum. Mein Wunsch danach, Musik noch weiter zu erforschen, brachte mich aber vor zwei Jahren dazu, mich voll und ganz auf meine eigene Musik und die Softwareproduktion zu konzentrieren.

 

4) Warum gerade Ableton – welche besonderheiten bieten Max/Live?

Ableton bemüht sich einfach um die beste Nutzererfahrung (als ehemaliger Mitarbeiter weiß ich, wovon ich rede ;)). Ganz persönlich bin ich ein großer Fan davon, viele Sounds und Effekte zu kombinieren und zu layern, um sie dann in Realtime zu manipulieren. Live vereinfacht das enorm. Max/Msp verwende ich deshalb, weil es wirklich einfach ist, einen ersten Prototypen zu schreiben und Ideen zu testen. Das hätte mit C/C++ deutlich länger gedauert (wobei auch einige Teile von Polyphylla für eine bessere Performance in C/C++ geschrieben sind).

 

Vielen Dank für das Interview – wir wünschen dir für Polyphylla alles Gute!

 

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