Mächtig viel Holz

Bastl: Václav Peloušek im Interview

Spätestens seit der Superbooth16 ist klar: Modular-Synthese im Eurorack-Format ist kein kurzlebiger Hype oder ein Nischenprodukt für die Supernerds unter den Synthesisten. Selbst große Firmen wie Roland oder Moog haben das Potenzial erkannt und sind mit eigenen Modulen und Systemen in den Markt eingestiegen. Aber auch kleinere Firmen bieten mittlerweile kompakte Komplettsysteme für Neueinsteiger an. Einer der Hersteller, die sich bereits einen Namen gemacht haben, ist Bastl Instruments aus Brünn in Tschechien.

Bastl Instruments, Jörg Sunderkötter

Mit ihrem sympathischen Anders-Sein und ihren stylischen Frontplatten aus Holz sowie ihrer ganz eigenen Art, Produkte zu bewerben, haben Bastl Instruments schon ordentlich für Wirbel gesorgt. Aber lassen wir den »Bastlíři« − ein Begriff, der in der kommunistischen Ära entstand und damals die sozial hoch anerkannten »Tüftler« beschrieb −, Václav Peloušek, selbst zu Wort kommen.

Wie hat eure Geschichte begonnen, wer hat Bastl Instruments gegründet, und was für eine Idee steht hinter der Firma?

Es fing alles vor ungefähr fünf Jahren an, als Ondřej Merta und ich unter dem Namen »Standuino« zum ersten Mal einen Synthesizer-Workshop abhielten. Es war ein generell sehr Workshop- und DIY- orientiertes Projekt, dessen Namen wir einem lokalen Synthesizer-Pionier gewidmet haben, Standa Filip, der schon in der kommunistischen Ära einzigartige Instrumente gebaut hatte.


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Als wir ihn kennenlernten, war er technischer Assistent an der Fakultät für bildende Künste in Brünn, an der Ondřej und ich damals studiert haben. Ich erinnere mich, wie er mir von seinem Modular-System erzählte: Es bestand aus simplen Schaltkreisen, dessen Drähte man miteinander verbinden konnte, deswegen »modular«. Als Behälter für die Schaltkreise nutzte er kleine lila Boxen, in denen ursprünglich Eiscreme aufbewahrt wurde. Es war also ein Eiscremebox-Modular-System. (lacht) Abgesehen davon hat er auch sonst alle möglichen komisch aussehenden DIY Instrumente wie E-Gitarren oder Drumcomputer gebaut. Das hat uns damals sehr inspiriert. Das erste elektronische Gerät, das ich gebaut hatte, war ein von ihm designtes Theremin. Bastl Instruments haben wir dann 2013 gegründet.

Entwickeln du und Ondřej all die Module und Instrumente, oder sind noch andere involviert?

Wir entscheiden viele Dinge im Team − welche Funktionen die Geräte haben und wie sie klingen sollen, welche Grafikdesigner wir engagieren wollen und all diese Dinge. Für das Schaltkreis-Design und das Konzept der Produkte bin aber im Grunde ich alleine verantwortlich. Ondřej ist ein sehr talentierter Organisator. Ob es nun etwas Geschäftliches ist, ob wir jemanden einstellen müssen oder das Team koordiniert werden muss, all diese Dinge sind eher Ondřejs Aufgabengebiet.

Bastl Instruments, Jörg Sunderkötter

Auf eurer Website ist zu lesen, dass noch mehr Leute bei Bastl arbeiten. Ihr habt zum Beispiel noch einen Shop namens »Noise Kitchen«, oder?

Aktuell arbeiten insgesamt 15 Leute hier bei Bastl Instruments. Und ja, Noise Kitchen ist zum einen ein Webshop und gleichzeitig auch ein physikalisches Geschäft, das aber kein kommerzielles Verkaufsgeschäft im eigentlichen Sinne ist. Es ist eher ein Showroom, an dem jeder die Geräte direkt ausprobieren kann.

Das Konzept, das wir mit Bastl verfolgen, ist generell sehr gemeinschaftsorientiert. Wir fingen damals an, modulare Synthesizer zu entwickeln, weil sich niemand von uns die Geräte, die auf dem Markt waren, leisten konnte. Deshalb bieten wir auch viel im DIY-Bereich an, so kann man sich die Module als Kit kaufen und dann selbst oder in einem unserer Workshops zusammenbauen.

Und dieser Aspekt des Ausprobierens, des Lernens und Kennenlernens, das ist Noise Kitchen. Wir organisieren auch regelmäßig Events, Konzerte, Festivals und investieren im Grunde all das Geld, das wir verdienen, wieder zurück in die Community. Wir haben einen Pool an Modulen und Synthesizern, die die  Leute einfach ausleihen und ausprobieren können. Die Struktur unserer Firma basiert letztendlich genau auf dieser Interaktion zwischen Musiker, Instrument und Community.

Kommen wir nun etwas im Detail zu euren Produkten. Welche sind deine Lieblingsmodule?

Von meinen Designs mag ich das Tea-Kick-Modul zum Beispiel sehr gerne. Die Kick klingt exzellent und setzt sich im Mix super durch. Allerdings ist der Schaltkreis so vielseitig, dass man auch Basslines, seltsame glitchy Noises und experimentelle Sounds patchen kann. Das ist sicher eines der einzigartigsten Designs von uns.

Dann wird gerade das Cinnamon Filter immer beliebter, vor allem wegen den Charakter-Schaltern, mit denen man den Resonanz-Charakter und den Frequenzgang des Filters verändern kann. Es ist fast so, als hätte man vier Filter in einem Modul.

Bei unseren digitalen Modulen ist der »Knit Rider«- Sequenzer sehr erfolgreich. Ich selbst habe ihn auch in meinem Setup und bin sehr happy damit. Er hat ein sehr intuitives Interface, das darauf ausgerichtet ist, mit einer Hand bedient zu werden. Dann gibt es noch das Grandpa-Modul, das vom Sound her sehr nah an mir dran ist. Es ist ein granularer Lo-Fi-Sampler, der auf unserem Desktopprodukt Microgranny aufbaut und den Bastl-Sound definiert.

Auch unseren neuen CV-Sequenzer Popcorn mag ich sehr, das Modul arbeitet wirklich musikalisch. Man hat acht Steps, genauer gesagt acht Noten, zur Verfügung und einen Quantisierer, mit dem man dann diese acht Noten auf verschiedenen Arten adressieren kann. Das hängt von der Trigger-Sequenz ab, mit der man das Modul füttert. Wenn man es mit dem Knit-Rider-Sequenzer kombiniert, kann man die Melodien im Trigger-Sequenzer auch abspeichern, wenn man möchte.

Welche Bastl-Module würdest du einem Neueinsteiger im Modularbereich empfehlen?

Das hängt sehr davon ab, was für einen Synthesizer die Person haben möchte. Wenn er oder sie einen klassischen subtraktiven Synthesizer möchte, dann ist Bastl vielleicht nicht die beste Wahl, da wir keinen VCO haben. Wer nach etwas sucht, womit man endlos Klänge erforschen kann, dann würde ich definitiv das Tea-Kick-Modul empfehlen, Noise Square oder das Modul »Quad VCA Quattro Figaro«. Letzteres ist ein richtiges Arbeitstier, mit dem man sehr viele interessante Sounds patchen kann. Dazu empfehle ich noch das Cinnamon-Filter oder besser gleich zwei davon, den Grandpa-Sampler und noch einen Knit-Rider-Sequenzer. Das wäre das Minimum.

Bastl Instruments, Jörg Sunderkötter

Es gibt im Moment drei neue Module von euch auf dem Markt. Kannst du uns kurz beschreiben, wie sie funktionieren?

Gerne. Eines der Module heißt Hendrikson, damit lässt sich eine Gitarre oder ein anderes Instrument anschließen. Es hat einen Amplifier und einen Ausgang, um zum Beispiel Stompboxen oder andere externe Effekte mit einzubinden.

Das nächste Modul, Tromsø, ist eine Kollektion aus drei Basis-Modulen − einem VCO, einem Comparator und einer S&H-Einheit −, die so verschaltet sind, dass sie auch direkt den internen Downsampling-Effekt steuern können. Man kann es aber auch so rekonfigurieren, dass man es als eigenständigen LFO, VCO und S&H benutzen kann. Es ist ein sehr flexibles Design. Für mich ist der Downsampling-Effekt essenziell, wie auch schon beim Grandpa. Das ist eines der Module, das zukünftig den Bastl-Sound definieren wird.

Das dritte Modul heißt Dynamo, ein Dynamics-Analyser-Modul. Es besitzt einen Envelope-Follower, um die Lautstärken-Hüllkurve eines Signals zu extrahieren, und einen Comparator, der Gate-Signale extrahiert. Gleichzeitig kann es CV-Signale generieren, um einen Compressor zu simulieren. Wenn man also die CV-Kurve an einen VCA anschließt, kann man sich so einen Kompressor oder auch sonst alle möglichen Sidechain-Szenarien zusammenpatchen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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