Von den Machern des Reactable

Test: Reactable-Nachfolger ROTOR (iPad)

Der Reactable leistete seinerzeit quasi Pionierarbeit: interaktives, elektronsiches Musikmachen mit intuitiver Bedienung war gewissermaßen der Vorgänger heutiger Musikapps für das Tablet. Mit ROTOR stellen die spanischen Entwickler nun den Nachfolger des appgewordenen Musiktisches vor – wir haben für euch getestet!

Anmerkung: Speziell für die App wird der Hersteller vorraussichtlich ab November Zubehör anbieten, das sich auf dem Bildschirm platzieren und wie ein Hardware-Bedienelement verwenden lässt. Wir gehen in diesem Test allerdings nur auf die Software an sich ein.

 

Die Hauptansicht von Rotor. Zu sehen ist eines der zahlreichen Demoprojekte, die euch einen ersten Einblick geben, was die App alles kann.
Die Hauptansicht von Rotor. Zu sehen ist eines der zahlreichen Demoprojekte, die euch einen ersten Einblick geben, was die App alles kann.

 

Das Konzept

Im Grunde müsst ihr euch ROTOR wie einen Signalweg vorstellen, in den ihr permanent eingreifen könnt. Einzelne Elemente lassen sich dabei hinzufügen, verschieben oder in ihrer Funktion modifizieren. Zwischen Sägezahnklangquelle und Reverb einen einfachen Sequenzer schieben? Kein Problem! Mal eben einen Filter für alle Sampler außer den mit den Drums? Geht ebenfalls.

Insgesamt lebt Rotor also davon, dass ihr immer wieder mit den einzelnen Modulen interagiert. Das macht auch optisch Eindruck und eignet sich dann auch für Livesituationen. Wie genau erfahrt ihr einige Absätze weiter unten!

 

Los geht’s

App gestartet, habt ihr die quasi Bildschrimfüllende, blaue Fläche vor euch, auf der ihr später eure Elemte patzieren werdet. Das schont zum einen die Augen (auch in dunkleren Situation wie auf der Bühne), ist extrem übersichtlich und sieht darüber hinaus auch noch schick aus.

 

Die Hauptansicht von Rator nach dem App-Start. Links lassen sich die verschiedenen Module auswählen, die ihr dann um den zentral platzierten Ankerpunkt anordnet.
Die Hauptansicht von Rator nach dem App-Start. Links lassen sich die verschiedenen Module auswählen, die ihr dann um den zentral platzierten Ankerpunkt anordnet.

 

Zu Beginn habt ihr die Wahl, ob ihr euch durch die Tutorial-Projekte klickt, ob ihr die mitgelieferten Demos ladet (sehr empfehlenswert!) oder ob ihr euer eigenes Ding startet. Das klappt theoretisch auch für Einsteiger und diejenigen ganz gut, die bisher noch nicht mit dem Reactable in Berührung gekommen sind, wir empfehlen aber trotzdem, euch mit den grundlegenen Funktionen aus dem Tutorial vertraut zu machen – ROTOR ist leider nicht immer ganz intuitiv.

Das beginnt, wenn ihr das erste mal versucht, zu zoomen (das funktioniert nicht) oder die Tonhöhe eines Sounderzeuger zu verändern (doppelt tippen – halten – justieren). Puh! Nach einer gewissen Einübungszeit geht aber auch das alles gut von der Hand – eine ausführliche Anleitung steht euch mit Rat und Tat zur Seite.

 

 

Nach und nach werdet ihr die verschiedenen Module ausprobieren, die auf der linken Seite der App zu Verfügung stehen. Da gibt es einiges, das eine Menge Spaß macht: von verschiedenen Klangerzeugern wie Sampler und Synthies über eine Effektsektion mit Ring Modulator, Chorus und Flanger bis hin zu einem Modul, dass den Neigungssensor eures Geräts in Modulationen umwandelt. Ins Optionsmenü der jeweiligen Module kommt ihr mit einem zentral platzierten Doppeltap. Hier werden euch meist einige Presets angezeigt, die ihr quasi ‘ab Werk’ laden könnt, oder ihr erstellt eure eigenen, die sich anschließend auch speichern lassen.

 

ROTOR gibt euch zahlreiche Hilfestellungen und erklärt in der Anleitung jede Funktion - hilfreich nicht nur für Neueinsteiger, sondern alle, die noch nicht mit dem Konzept des Reactable in Berührung gekommen sind.
ROTOR gibt euch zahlreiche Hilfestellungen und erklärt in der Anleitung jede Funktion – hilfreich nicht nur für Neueinsteiger, sondern alle, die noch nicht mit dem Konzept des Reactable in Berührung gekommen sind.

 

Tool für Songwriter?

Die Archillessehne von Rotor offenbart sich aber leider, wenn ihr darüber hinaus ganze Songs mit der App schreiben wollt. Zwar ist das alles durch den direkten Eingriff in euren “Signalweg”, den Einsatz von Sequenzermodulen oder eine Aufnahmefunktion, welche eure Kreationen via iTunes als WAV abrufbar macht, rudimentär möglich – wir hätten uns aber gewünscht, dass wir per etwa per Knopfdruck zu einem weiteren Songteil wechseln und Automationen aufnehmen können. Vielleicht wird das aber in zukünftigen Updates noch nachgeliefert.

 

Live

Die große Stärke von ROTOR liegt also in der Nutzung als Livetool. Die Möglichkeit, eure Einstellungen einfach abzurufen, machen die App dafür ebenso fit, wie die Unterstützung von Ableton Link, womit unterstützende Geräte im gleichen Netzwerk sychron bleiben. Darüber hinaus lässt sich in kaum eine Musikapp so dynamisch eingreifen wie in diese – weswegen ROTOR auch für Improvisationskünstler und experimentierfreudige Soundschrauber etwas sein könnte.

 


Fazit

ROTOR hat ein ungemein spannendes Konzept, das sich definitiv vom herkommtlichen Mini-DAW-Konzept vieler Apps unterscheidet. Eine DAW möchte ROTOR aber auch nicht sein – dafür fehlt es an zu vielen Funktionen, mit denen sich Songs aufnehmen und strukturieren lassen. Die volle musikalische Kraft entfaltet sich insbesondere Live oder in Verbindung mit anderen Apps und Programmen, die sich dank Ableton Link einfach herstellen lässt. Eine Empfehlung bekommt ROTOR für all jene, die kreativ und direkt mit ihrem Sound interagieren möchten und dabei ausgetretene Pfade verlassen möchten.


ROTOR – Tangtible Modular Music Synth || iPad || 9,99€ || 64 MB || Version 1.1 || Stand: 11.November.2016

Ein Kommentar zu “Test: Reactable-Nachfolger ROTOR (iPad)”
  1. Irgendwie dachte ich, dass es bei einem Nachfolger Artikel auch darum gehen würde, in wie fern es Unterschiede zur Vorgänger Version gibt (Vorteile/ Nachteile bzw. Pro/Contra)…?
    Gute Einleitung, aber dann war abrupt Feierabend!
    Schade!

    Antworten
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