Piano, Man!

Kurzweil SP4-8 – Stagepiano im Test


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Leicht, kompakt, preiswert und qualitativ auf höchstem Niveau? Die Anforderungen an ein solides Stagepiano sind alles andere als gering. Neben einer ausgezeichneten Tastatur und einer roadtauglichen „Verpackung“ sollte auch der Sound in der Lage sein, sich im Livebetrieb erfolgreich nach vorne zu spielen. LIefert das das Kurzweil SP4-8?

Schon mit der PC3-LE-Serie stellte Kurzweil eindrucksvoll und routiniert unter Beweis, dass auch Instrumente zum Einsteigerpreis durchaus professionellen Ansprüchen gerecht werden können. Als offizieller Nachfolger des erfolg – reichen Kurzweil SP88/X-Stagepianos tritt das SP4-8 ein traditionsreiches Erbe an. Gespickt mit dem technischen Know-how der PC3-Serie verspricht der koreanische Hersteller mit den amerikanischen Wurzeln kompromisslose Qualität zu einem ebenso kompromisslosen Preis.

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Präludium

Mit seinem schwarz mattierten Finish reiht sich Kurzweils Neuer zumindest schon einmal optisch perfekt in das bestehende Familiengruppenbild der PC3-Serie ein. Das erwartungsgemäß hochwertig verarbeitete und robust wirkende Gehäuse des SP4-8 setzt mit seinen handlichen 17,7 kg Lebendgewicht auf jeden Fall für ein 88-tastiges Stagepiano schon einmal einen neuen Standard in Sachen Portabilität. Auch das Bedienlayout auf der Geräteoberfläche präsentiert sich gewohnt klar strukturiert, wenn auch im Vergleich zu den Synthesizerkollegen aus gleichem Haus deutlich reduzierter. So finden sich neben Volume-Fader, Pitch- und Modulationsrad im Großen und Ganzen drei Reglerrubriken.

Über den links untergebrachten „Control“-Knopf lässt sich eine Auswahl von bis zu fünf Parametern stufenlos regulieren. In der auf das Gehäuse aufgedruckten Werks-Einstellung sind dies TIMBRE, MODULATION, ENVELOPE, EFFECT und REVERB. Direkt daneben befindet sich die FUNCTION überschriebene Schalt- und Waltzentrale des SP4-8, die – abgesehen von der Auswahl der vier zur Verfügung stehenden Betriebsmodi (Program, Setup, Edit Setup, Global), der Transpose-, Layer- und Splitzonenselektion – auch einen Save-Button zum Speichern von Programmen beherbergt. Die rechts des zweizeiligen Displays gelegene Gehäuseseite ist mit ihrer 2-x-8-Matrix komplett der Presetauswahl per „Group“- und „Sound“-Select vorbehalten.

Über drei Ebenen lassen sich so 128 Werkssounds (zweimal 64) und 64 Benutzerspeicherplätze anwählen. Auch auf der Rückseite zeigt sich Kurzweils Bühnenklavier mit einem übersichtlichen Anschlussensemble aus einem Stereoausgangspärchen nebst Kopfhörerbuchse, zwei Pedal – Anschlüssen (Sustain, CC) sowie einem USB-Port und zwei MIDI-Buchsen von seiner pragmatischen Seite. Die Energieversorgung des 140 cm langen SP4-8 erfolgt über ein 15 Volt zuführendes externes Netzteil.

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Exposition des Kurzweil SP4-8

Ausschlaggebendes Argument für den Kauf eines Stagepianos ist und bleibt die Qualität der verwendeten Klaviatur. Mit der beim SP4-8 zum Einsatz kommenden Tastatur TP- 100, einem neuen und extra leichten Klaviatur Modell aus dem Hause Fatar, hat Kurzweil in dieser Hinsicht eine wirklich hervorragende Wahl getroffen. Die gut ausbalancierte Hammermechanik punktet dabei mit einem ausgewogenen Spielgefühl. Die Tastatur spricht ausgezeichnet an, wovon nicht nur die klassischen und elektrischen Pianosounds profitieren – auch Orgelsounds und Pads lassen sich damit ebenso leicht und sicher performen. Bei der 64-stimmigen und 16-fach multitimbralen Klangerzeugung des SP4-8 handelt es sich im Prinzip um einen im Funktionsumfang reduzierten Abkömmling der in der PC3-Serie zum Einsatz kommenden Synthese-Engine (Dynamic V.A.S.T.) inklusive der Orgelsimulation KB-3 und dem virtuell-analogen Synthesemodul KVA.

Aus diesem Fundus rekrutiert sich auch die integrierte, 128 Sounds umfassende Preset-Sammlung. Reicht diese Klangauswahl im Livebetrieb nicht aus, kann man den internen Speicher dar- über hinaus mit 64 zusätzlichen User-Sounds füllen. Dabei werden neben sämtlichen PC3- kompatiblen Presets (von denen sich 64 Stück speziell für die SP4-Reihe auch über die Kurzweil-Website laden lassen) seit der aktuellen Betriebssystemversion 2.0 auch Legacy-Sounds der K-Modellreihen unterstützt. Für den flexiblen Einsatz im Livebetrieb lassen sich die Presets auf bis zu vier Splitzonen mit jeweils zehn möglichen MIDI-Controllern verteilen.

Durchführung

Die Bedienung des Kurzweil SP4-8 entpuppt sich im Test als ausgesprochen „straight forward“. Genau so gehört es sich für ein Bühneninstrument: kein langes Suchen in Menüs, keine Bedienfallen wie Doppelfunktionen. Bedingt durch die Tatsache, dass ein Großteil der benö- tigten Funktionen durch Direkttasten abgedeckt wurde, bleiben dem Nutzer in diesem Zusammenhang erfreulicherweise auch längere Menütauchfahrten erspart. Als enorm praktisch für den schnellen „Tweak“ zwischendurch erwies sich auch der stufenlose „Control“- Regler zur Parametersteuerung.

Bei nur fünf möglichen Parametern (änderbar im SetupMode) stellt auch das „Durchsteppen“ im Einbahnstraßenstil (nach „1“ kommt „2“…) keine größere Einschränkung dar. Das verwendete Display ist mir mit seinen zwei Zeilen doch ein wenig spartanisch geraten. Es entstehen im Betrieb zwar keine allzu großen Lücken im optischen Informationsfluss, aber gerade bei längeren Inhalten (Laufschrift-Effekt) ist die Lesbarkeit durch die schnelle Zeichenabfolge in der Praxis doch ein wenig suboptimal. Der ansonsten durchweg intuitiven Handhabung der Sounds schadet dies aber nicht wirklich.

Kommen wir von hier aus zum Wesentlichen des SP4-8: dem Sound! Die Auswahl der 128 mitgelieferten Presets kann man guten Gewissens als eine Best-Of-PC3-Kollektion bezeichnen. Immer wieder bemerkenswert: Es mag bessere und detailreichere Akustikpianos geben, aber die Kurzweil-Sounds machen besonders im Live-Betrieb einen super Job. Aus gutem Grund werden diese Sounds bei vernehmlich bühnenerprobten Keyboardern hoch geschätzt.

Neben diesen Piano- und Grandpianosounds finden sich in den thematisch sortierten Bänken auch erdige Rhodes- und Wurlitzer-Sounds, die ebenfalls an Plastizität und Durchsetzungsfähigkeit nichts vermissen lassen. Ein besonderes Schmankerl sind auch die ebenfalls „Out-Of-The-Box“ sofort einsetzbaren Orgelpresets rund um Hammond & Co., bei denen analog zum „Großen Bruder“ PC3 ebenfalls (per „default“) das mitgelieferte Haltepedal die Funktion des Leslie-On/Off– Schalters übernimmt.

Aber auch die klavierfremden Livekeyboarder-Standards wie Streicher, Brass oder virtuell-analoge Synthiklassiker sind hervorragend repräsentiert. Ein wenig schade ist die Tatsache, dass das SP4-8 leider zu den „Vergesslichen“ gehört und nicht in der Lage ist, sich das zuletzt vor dem Ausschalten benutzte Preset zu merken. So lädt das Gerät nach jedem neuen Bootvorgang das Programm „Studio Grand“ (Factory Preset 1).

Reprise

Kurzweils neues Stagepiano-Flaggschiff löst den anspruchsvollen und oft schwierigen Spagat zwischen Kosteneffizienz und gehobenem Qualitätsniveau mit sprichwörtlicher und tatsächlicher Leichtigkeit. Dabei bietet das SP4-8 angefangen beim Spielkomfort bis hin zu einem erstklassigen Soundrepertoire so ziemlich alles, was man heutzutage von einem modernen Klavierersatz mit MasterkeyboardQualitäten auf der Bühne erwartet. Die klangliche Kompatibilität zu Kurzweils erfolgreicher PC3-Reihe sowie die neu hinzugekommene Unterstützung der immer noch begehrten K-2500-Libraries ist dabei ein zusätzlicher Pluspunkt.

Wem das SP4-8 für die eigenen Zwecke trotz seiner Kompaktheit immer noch zu groß sein sollte und wer auf eine Hammermechanik verzichten kann, wird vielleicht auch beim ebenfalls seit diesem Jahr erhältlichen und technisch baugleichen SP4-7 fündig, dessen 76erTastatur entsprechend abgespeckt ist. Wie man sich letztlich auch entscheidet: Kurzweils SP4- Reihe liefert erstklassige und praxisorientierte „Player“-Qualitäten auf technisch und klanglich höchstem Niveau – und das Ganze zu einem Straßenpreis, der mit unter 1.000 Euro schon fast unanständig ist.

Plus/minus

+ Klangqualität
+ Preis/Leistungs-Verhältnis
+ Tastatur

– Displaygröße

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