Hauptsache, es rockt!

Der Yamaha Montage live

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Live Musik machen − es ist eigentlich egal, ob man es als hartes Business betreibt und davon lebt oder einfach als begeisterter Freizeitmusiker unterwegs ist: Jeder sucht letztendlich doch den großen Moment, mit seiner Performance das Publikum zu bewegen.

(Bild: Dieter Stork)

Manche brauchen dafür ganz wenig: ein Piano und ein Mikro! Chilly Gonzales ist ein Meister darin, diesen musikalischen Moment für das Publikum in einen unvergessenen Konzertabend voller Magie zu verwandeln. Seine Konzerte, die regelmäßig zum Jahresende in der Kölner Philharmonie stattfinden, sind schon seit Jahren ein Publikumsmagnet. Und er beweist immer wieder, dass ein Mann am Klavier ein riesiges Publikum nicht nur gut unterhalten, sondern mitreißen kann. That’s Entertainment!

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Als Personal an den Tasten hat man aber durchaus noch andere Aufgaben, die sogar recht vielfältig ausfallen können und über das Klavierspielen weit hinausgehen. Wer in einer Top-40-Band spielt, hat meistens den Job, alles das zu spielen, was nicht Schlagzeug oder Gitarre ist: hier ein paar Brass-Stabs, um den nicht vorhandenen Bläsersatz zu faken, dort ein Pad, dann mit dem Vocoder − die irgendwie auch nicht vorhandenen − Backing-Vocals pimpen, schnell noch ein paar Sequenzerlinien und Drumloops einfliegen, um während der Probe böse Blicke zu ernten, warum man ausgerechnet jetzt wieder hektisch auf dem Display seiner Workstation rumtippen muss.

Pianisten in einer Rockband dürfen sich da nicht allein wegen des kleinen Displays des Stagepianos zurücklehnen: Aahh, einfach nur Piano spielen! Zu dumm aber, dass man sich beim Gig wiedermal selber nicht hören kann, da Schlagzeuger, Bassist und Gitarrist super gut gelaunt bei voller Lautstärke spielen.

Dann am besten doch gleich ganz alleine! Als Alleinunterhalter hat man schließlich alles selber im Griff: Proben ohne das Gezeter der Lead-Sängerin, das Tempo stimmt immer, Aufbauen und Abbauen ist auch schnell erledigt, dann die volle Gage kassieren … Top-Job! Höchstens die Frage, wann denn der Entertainer auflegt, lässt einen kurz zusammenzucken, aber wir ignorieren diesen Affront höflich.

Wer ein Held sein will, stellt sich eine Keyboard-Burg auf die Bühne. Damit erntet man großen Respekt bei Kollegen und Mitmusikern, hat aber auch den logistischen Aufwand an der Backe: Cases, Racks, Mischpult, Mini-PA, Stative, ein Fahrzeug, das den nötigen Stauraum bietet, und nicht zuletzt braucht man Zeit, um den ganzen Krempel auf- und abzubauen. Apropos Aufbau: Bietet die Bühne eigentlich den Platz für eine Keyboard-Burg?


№2/3 2017

  • Editorial
  • Facts & Storys
  • Modular Kolumne
  • Mit Mark Forster auf Tour
  • MANDO DIAO IM INTERVIEW
  • Amy Lives: Xanthoné Blacq
  • Ströme− Eurorack Clubbing
  • MARIO HAMMER & THE LONELY ROBOT
  • Peter Pichler: Bewahrer des Trautoniums
  • NONLINEAR LABS C15
  • AKAI MPC LIVE
  • GIPFELSTÜRMER: NOVATION PEAK
  • Auf Lichtung gesichtet: Bigfoot
  • Gute Vibes im Museum
  • DIE HOHNER-STORY
  • Transkription − Chuck Leavell: Song For Amy
  • Impressum
  • Inserenten, Händler
  • Das Letzte − Kolumne

Okay − wählen wir den smarten Weg und entscheiden uns für eine Synthesizer-Workstation. Den Dingern hängt zwar der Ruf an, dass sie irgendwie alles können, aber nix richtig, doch klingt es einfach zu verlockend, den logistischen Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren.

Das kann aber nicht alles sein − warum also sind Synthesizer-Workstations so praktisch? Man muss zunächst einmal abwägen, welchen Stellenwert der einzelne Sound im Gefüge der Band hat. Spielt man meistens begleitende Parts: Piano, E-Pianos, mal eine Orgel, dann Pads, Synthi-Sounds, Strings und alles, was man so in der gegenwärtigen Popmusik braucht? Dann sollte eine der aktuellen Workstations ohne Frage deutlich mehr als ausreichend sein. Denn inzwischen sind diese Instrumente mit sogar sehr guten Sounds ausgerüstet.

Nehmen wir als gutes Beispiel mal den Korg Kronos, dessen Piano-Sounds dank neuster Streaming-Technologie so gut sind, dass so manches echte Stagepiano schwachbrüstig klingt. Mit Analog-Modeling-Synthesizern, Wavesequencing, Karma-Pattern- Generator, Drum-Track und vielen Effekten bekommt man hier ein echtes Pfund geliefert, mit dem man sich auch erst einmal auseinandersetzen muss. Das ist dann halt auch der Preis der All-in-one-Funktionalität: Eine Workstation ist komplexer als ein Stagepiano!

Aber es muss ja nicht gleich das Komplettpaket sein, wenn man in der Band ein bisschen Keyboard spielen will − also: Geht’s vielleicht doch ein wenig einfacher? Ohne gleich auf den Kompromiss »Mittelklasse« zu schielen, könnte vielleicht der neuste Zugang aus dem Hause Yamaha die Lösung bringen.

Yamaha Montage

Neu im Workstation-Segment ist Yamahas jüngster Wurf namens »Montage«, welcher die äußerst erfolgreiche Motif-Serie nun ablösen wird. Es gibt hier viele neue Features, aber − und das ist bei den Workstations eine Weltpremiere − man hat tatsächlich etwas weggelassen! Nämlich verzichtet der Montage auf die Architektur aus Voice-, Multi-, Song-Mode, die vieles einfach nur unnötig kompliziert macht. Kleines Detail − große Wirkung: Möchte man beispielsweise einen Sound aus dem Voice-Mode in einem Multi-Setup verwenden, stellt man meistens fest, dass der einst so fett klingende Sound plötzlich nur noch die Hälfte ist, da sich die komplette Effekt-Architektur geändert hat: Stand im Voice-Mode alles an Effekten für einen Sound zur Verfügung, muss man in einem Multi die vorhandenen Effekte nun mehreren Sounds zuweisen.

Der Yamaha Montage arbeitet daher immer im Multi-Mode, Punkt. Ab sofort also keine BlenderSounds mehr, die man in der Praxis so gar nicht wirklich verwenden kann. Keine Tricks, aber doppelten Boden gibt’s, denn das »Seamless Sound Switching« erlaubt unterbrechungsfreies Umschalten der Sounds auch in Multis − wenngleich mit der Einschränkung, dass das Multi dann maximal acht Sounds nutzen darf (die freien acht Kanäle werden zum Vorladen des neu angewählten Sounds gebraucht), aber wer packt sich schon mehr als acht Sounds übereinander auf die Tastatur? Das erzeugt ja sowieso meist nur einen einzigen Soundmatsch, den man live gar nicht mehr sinnvoll spielen kann.

Sounds tweaken

Ganz klarer Fall, auch hier sind Workstations wahre Powerhäuser − was man hier alles editieren kann! In all den Display-Menüs möchte man jedoch kaum bei der Band-Probe und schon gar nicht während des Gigs versinken. Dafür haben die Workstation-Erfinde das Easy-Edit erfunden, mit dem sich die wichtigsten Parameter wie Filter-Cutoff, Attack usw. schnell mal einstellen lassen. Für schnelle Anpassungen ist das fein, speziellere Aufgaben aber lassen sich kaum spontan erledigen − schon gar nicht beim Montage mit seiner 128-fach stereopolyfonen AWM2-Klangerzeugung und der 8-Operatoren-FM-Abteilung, die wiederum 128-fach polyfon spielt.

Komplexere Vorgänge in diesen Klang-Architekturen wollen gründlich geplant werden und lassen sich beim Montage den je acht Schiebereglern und Potis frei zuweisen. Sehr praktisch sind dabei die LED-Anzeigen, die den jeweiligen Wert eines Reglers darstellen können. Bei den Endlos-Potis ist der Wert immer aktuell, die Schieberegler müssen den Wert einmal abgreifen und sind dann up to date − das ist doch mal eine übersichtliche Lösung, die man live auf der Bühne wirklich gebrauchen kann.

Und der Leuchtknopf?

Kaum zu übersehen in der Mitte des Panels des Yamaha Montage leuchtet der Super-Knob auf − der will gedreht werden! Schön anzusehen auch, dass die Beleuchtung die Farbe ändert, wenn man dran dreht. Und die Technik dahinter ist sogar noch viel interessanter: Der Super-Knob wird seinem Namen gerecht, bewegt er bei einem Reglerschwenk doch eine ganze Armee von Parametern, um einen Sound auf komplexe Weise von einem Zustand in den anderen zu befördern − pures Sound-Morphing, und, wenn man so will, nichts wirklich Neues. Wer unbedingt eine Blockflöte mit kontinuierlicher Reglerbewegung in ein wildes Streichergetöse morphen möchte − bitteschön, alles geht. Was uns aber positiv bei den Werksounds auffiel: Die Soundtüftler von Yamaha haben darauf achtgegeben, dass die Soundänderungen − selbst wenn sie komplexer ausfallen − immer musikalisch sinnvoll zu gebrauchen sind. So mancher Super-Tweak fällt daher schon mal eher nüchtern aus. Wer der Workstation-Poser-Sounds müde ist, wird sich darüber freuen − so auch wir.

Bringt Bewegung ins Spiel

»Music in Motion« heißt die Devise und ist bei Yamaha kein leerer Slogan. Der Super-Knob ist dabei nur ein Weg, mit welchem sich Patterns, Sounds und Sequenzen in Bewegung bringen lassen. Denn nichts ist schlimmer als bei einem Live-Gig auf Gedeih und Verderb mit den gespeicherten Soundeinstellungen festgelegt zu sein. Dank aufwendigem Mapping lassen sich sämtliche Controller mit bestimmten Parametern verknüpfen, wobei Wheels, Ribbon, Fußpedale und natürlich die Schieberegler und Knobs eingesetzt werden können, um Sounds und Effekte zu bewegen.

Darüber hinaus gibt es aber auch Situationen, in denen man einfach keine Hand mehr frei hat, um an einem Sound zu drehen, aber trotzdem einen gewissen Schwung in der Klangentwicklung braucht. Die Lösung heißt »Motion Control« und kann auf unterschiedlichen Ebenen wirken. Mittels Motion-SEQ bringen kleine Sequenzen die Parameter zum Tanzen. Es handelt sich dabei um Tempo-synchrone Sequenzen, die keine Sounds triggern, sondern lediglich ausgewählte Sound-Parameter steuern. Für stressgeplagte Live-Keyboarder heißt das beispielsweise: Eine Hand spielt Chords, während die andere per Arpeggiator Sequenzen steuert, die sich in 2-Takte-Zyklen im Klang ändern. Bei den FM-Sounds kann das sehr komplexe Klangverläufe ergeben − sehr schön übrigens auch, um Pads zu rhythmisieren.

Überlagern kann man die vom Motion-SEQ gesteuerten Parameterfahrten dann auch noch mit einem Envelope-Follower. Was ist das nun wieder? Ganz einfach: Ein »Hüllkurven-Verfolger« erzeugt auf Basis von beliebigen Audiosignalen Parameterfahrten. Bleiben wir beim Beispiel mit einem Pad-Sound: Den Cutoff-Parameter lassen wir nun vom Schlagzeug modulieren, das wir mit einem Mikro abgenommen haben und auf den Audio-Input des Montage führen. Der Pad-Sound wird so durch das Spiel des Drummers rhythmisiert. Einfache Sache und dabei ein toller Effekt, der sich live super nutzen lässt.

Warum Montage?

Der Spitzenplatz unter den Workstations bleibt dem Korg Kronos sicher, solange es um die größtmögliche Flexibilität in puncto Synthesemöglichkeiten geht. Wer aber neben der reinen Klanggestaltung seine Sounds auch unter Kontrolle haben will und nach vielseitigen Möglichkeiten sucht, ins Klanggeschehen einzugreifen, der sollte sich den Montage unbedingt näher anschauen. In dieser Hinsicht setzt Yamaha einen deutlichen Akzent mit Motion Control. Gute Sounds und Patches, die sich über viele Jahre auf den Bühnen dieser Welt haben bewähren können, bringt der Montage natürlich auch noch mit und setzt die erfolgreiche Motif-Serie angemessen fort. Ein Instrument, das spontan Spaß macht und auch Soundtüftlern dank der Motion-Sequences viel Freude bereiten kann − ganz besonders in Verbindung mit der FM-Klangerzeugung, die hiermit ihre Renaissance feiern dürfte.

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